Unwetterkatastrophen und Engpässe in der Energieversorgung stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen – auch den Kunst- und Kulturbetrieb!

Wie können wir unsere Kulturgüter schützen? Können wir sie überhaupt verlässlich schützen angesichts der unglaublichen Bilder aus dem Ahrtal, die sich für immer in unser Gedächtnis eingebrannt haben?

Fest steht: Die Unwetterkatastrophe im Juli 2021 mit 180 Toten in Deutschland hat auch uns in Nordrhein-Westfalen vor Augen geführt, wie verletzlich unsere Infrastruktur ist. Das Hochwasser ist ein Weckruf gewesen, dass wir die Zeit des Wiederaufbaus, der stellenweise noch immer läuft, nutzen müssen, uns systematisch mit der Frage auseinanderzusetzen, wie wir die Menschen in unserem Land und unsere Kulturgüter besser schützen können.

Fünf Aspekte halte ich dabei für besonders wichtig:

KRITIS-Dachgesetz

Archive, Museen, Bibliotheken und Sammlungen, die bedeutsames Kulturgut aufbewahren, sind Teil unserer Kritischen Infrastruktur und sollten als solche im geplanten KRITIS-Dachgesetz verankert werden. Das heißt beispielsweise, dass die Energieversorgung entsprechender Einrichtungen im Notfallplan priorisiert werden muss. Die Konservierung wichtiger Kulturgüter darf nicht an der Belieferung mit Strom und Gas scheitern.

Katastrophenschutz bei Neubauten und Sanierungen

Bei allen Neubauten und Sanierungen von Archiven, Sammlungen, Museen und Bibliotheken sollte der Katastrophenschutz schon bei den ersten Überlegungen mitbedacht und berücksichtigt werden. Das gilt besonders für Gebäude in potenziell gefährdeter Lage. Ganz aktuell wird das in Nordrhein-Westfalen z. B. beim Neubau des Pina-Bausch-Zentrums in Wuppertal eine Rolle spielen. Die unmittelbare Nähe zur Wupper stellt besondere Anforderungen an die Unterbringung des umfangreichen Archivs.

Effektive Hilfe im Schadensfall

Nach der Unwetterkatastrophe 2021 hat die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen einen Aufbaufonds in Höhe von insgesamt 12,3 Milliarden Euro aufgelegt – auch für die Beseitigung von Schäden an Kulturgütern. Neben der Bereitstellung finanzieller Hilfe geht es um ganz praktische Dinge: So werden mit Landesmitteln auch vier Notfallcontainer angeschafft. In diesen mobilen Werkstätten erfolgt die Erstversorgung des beschädigten schriftlichen Kulturguts, um eine spätere Restaurierung zu erleichtern. Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs war Anlass für die Entwicklung einer solchen Erste-Hilfe-Werkstatt.

Vernetzung und Wissensaustausch

Viele Archive und Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen sind bereits seit 2011 dem Aufruf der Koordinierungsstelle für schriftliches Kulturgut gefolgt und haben sich untereinander vernetzt. Zudem wurde bundesweit auf Initiative der Kulturstiftung der Länder eine »Notfallallianz Kultur« gegründet und eine Online-Plattform geschaffen, um Hilfen zu beschleunigen und abzustimmen. Nordrhein-Westfalen hat diese Initiative von Beginn an mitgetragen und mitentwickelt. Ich bin fest überzeugt: Die praktische Hilfe untereinander und der Wissensaustausch beim Umgang etwa mit Naturkatastrophen macht uns schneller und besser bei der Bewältigung der Folgen.

Internationale Solidarität und Unterstützung

Im Zuge des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine stand die Europäische Union fest zusammen und hat dafür gesorgt, dass durch den Krieg gefährdete Kulturgüter gesichert werden konnten. Das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen etwa hat dafür große Mengen an Verpackungsmaterial zur Verfügung gestellt. Zusätzlich koordinieren wir im Kulturministerium ein Netzwerk, mit dem Hilfeleistungen auf den Weg gebracht werden – sowohl für geflüchtete Künstlerinnen und Künstler als auch für Kultureinrichtungen. Insgesamt hat das Kulturministerium bereits fast eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass wir auch in Zukunft vermehrt mit extremen Wetterlagen zu tun haben werden. Auch geopolitisch stehen wir vor neuen Herausforderungen. Ich bin sicher, dass es uns mit den richtigen Maßnahmen gelingen wird, unsere Kultureinrichtungen mit ihren unwiederbringlichen Schätzen darauf gut vorzubereiten.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 7-8/2023.