In diesem Jahr feiert die UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, kurz Konvention Kulturelle Vielfalt, ihren 20. Geburtstag. Angestoßen wurde sie innerhalb der UNESCO von Kanada. Hier wurde angesichts des übermächtigen, kulturindustriell geprägten Nachbarn USA und der Verhandlungen innerhalb der Welthandelsorganisation der Bedarf gesehen, dem Marktgeschehen eine kulturelle Regulierung entgegenzusetzen. Der Markt sollte eben nicht alles regeln, sondern die kulturelle Vielfalt sollte sich in jedem Land entfalten können und kulturelle Ausdrucksformen bewahrt und weiterentwickelt werden.
Der handelspolitische Aspekt der Konvention Kulturelle Vielfalt wurde vermutlich von Anfang an überschätzt. Jedenfalls ist heute wenig davon zu spüren, dass den US-amerikanischen Technologiekonzernen, die längst eine marktbeherrschende Position haben, etwas entgegengesetzt werden kann.
Dafür hat die Konvention Kulturelle Vielfalt in Deutschland Kraft entfalten können. Unter der Überschrift »Kulturelle Vielfalt« wird sich versammelt, wenn es darum geht, dass das kulturelle Leben eben nicht nur durch große Kultureinrichtungen geprägt wird, sondern durch eine Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren. Zuvörderst den Künstlerinnen und Künstlern, den Kultureinrichtungen, den Kulturunternehmen, den Kulturvereinen und nicht zuletzt all jenen, die als Amateure selbst kulturell aktiv sind oder aber Kunst und Kultur fördern. Sie alle zusammen machen den Reichtum des kulturellen Lebens in Deutschland aus. Sie alle sind ein Mosaikstein im Gesamtbild kulturellen Lebens in Deutschland.
Kulturelle Vielfalt reicht aber auch über den Kulturbereich als solchen hinaus. Im Jahr 2016 initiierten der Deutsche Kulturrat, das Bundesinnenministerium, das Bundesarbeitsministerium, die Integrationsbeauftragte und die Kulturstaatsministerin die Initiative kulturelle Integration. Sofort erklärten sich die kommunalen Spitzenverbände (Deutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Deutscher Landkreistag), die Kultusministerkonferenz, die Sozialpartner (DGB, BDA, dbb), die Religionsgemeinschaften (EKD, Deutsche Bischofskonferenz, Zentralrat der Juden, Koordinationsrat der Muslime), die Medien (ARD, ZDF, VAUNET, Deutscher Journalisten-Verband) und zivilgesellschaftliche Organisationen (DOSB, Deutscher Naturschutzring, BAG Freie Wohlfahrtspflege, BAG Immigrantenverbände, Forum der Migrantinnen und Migranten, neue deutsche organisationen) bereit mitzuwirken.
Es galt angesichts der in Folge des Kriegs in Syrien nach Deutschland kommenden Geflüchteten ein positives Bild der kulturellen Vielfalt in Deutschland zu zeichnen. Deutschland als Land in der Mitte Europas ist seit Jahrhunderten durch Migration geprägt. Durch Auswanderung aufgrund von wirtschaftlicher Not und durch Einwanderung z. B. der Hugenotten aufgrund von Religionsfreiheit. Dies alles prägt die kulturelle Vielfalt in Deutschland, die durch viele Einflüsse bestimmt wird.
Zum Tag der kulturellen Vielfalt, dem 21. Mai 2017, hat die Initiative kulturelle Integration ihre 15 Thesen »Zusammenhalt in Vielfalt« Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht. Im Jahr 2023 wurden sie überarbeitet und Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt übergeben.
Für das Jahr 2026, zum fast zehnjährigen Jubiläum, plant die Initiative kulturelle Integration etwas Neues: Am 21. Mai 2026 soll bundesweit der Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt begangen werden. Jeder ist aufgerufen und aufgefordert mitzumachen. Egal, ob Verein oder Einzelkünstlerin, ob Kultureinrichtung oder Kulturunternehmen, ob Kirchengemeinde, jüdische oder muslimische Gemeinde, ob Zeitung, Fernseh- oder Radioredaktion, ob in der Stadt oder auf dem Land. Im Umfeld des 21. Mai soll gezeigt werden, dass »Zusammenhalt in Vielfalt« gelingt, dass sich Menschen für unser Gemeinwesen einsetzen, egal, ob temporär oder langfristig. Jede Veranstaltung, ob klein oder groß, kann einen Beitrag dazu leisten, dass das demokratische und vielfältige Engagement in Deutschland sichtbar wird.
Am einfachsten ist es, selbst zum Botschafter zu werden. Hierfür reicht es, ein Bild bei der Initiative kulturelle Integration einzureichen. Ebenso einfach ist es, durch Aufhängen von Plakaten oder Verteilen von Postkarten ein Statement für Zusammenhalt in Vielfalt zu setzen. Erwünscht sind ebenso Veranstaltungen wie Lesungen, Diskussionen, Atelieröffnungen, Konzerte, Wettbewerbe und vieles andere mehr. Der Fantasie sollen keine Grenzen gesetzt werden.
Mit diesem Aktionstag zum Tag der kulturellen Vielfalt soll auch die Konvention kulturelle Vielfalt mit Leben gefüllt und so deutlich gemacht werden, welche Bedeutung kulturelle Vielfalt für unser Land hat.
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Weitere Informationen finden Sie unter: Aktionstag Zusammenhalt in Vielfalt – Initiative kulturelle Integration: aktionstag-zusammenhalt-in-vielfalt.de