Das Tanzhaus Wuppertal hat vielfältige Kurs- und Unterrichtsangebote im Bereich Tanz, daneben eigene Companies. Der Leiter des Hauses Kristopher Zech spricht mit Ludwig Greven darüber, warum er das Tanzhaus Wuppertal gegründet hat und wie er es finanziert.
Ludwig Greven: Was unterscheidet Ihr Tanzhaus von einer normalen Tanzschule?
Kristopher Zech: Wir sind ein Ort, an dem ein sehr freundschaftliches und familiäres Miteinander existiert. Wir haben ein großes Trainerteam, und dadurch hat jede Abteilung eine eigene Handschrift. Die Kids Company und die Tanzhaus Company werden von unterschiedlichen Dozentinnen und Dozenten unterrichtet, damit mehrere Einflüsse die jungen Menschen fördern und Raum für individuelle Entwicklung geben.
Wie ist das Tanzhaus entstanden?
Ich habe in meiner Schulzeit 1996 ein Tanzprojekt gegründet, im Prinzip eine Tanz AG. Daraus ist die Einrichtung Musical & Dance entstanden, die jahrelang mit drei Gruppen im örtlichen Haus der Jugend trainiert hat. 2009 gab es immer mehr Nachfrage, dabei mitzumachen. Das habe ich als Grundlage genommen, um das Tanzhaus Wuppertal zu eröffnen.
Wie sind Sie selbst zum Tanzen gekommen und zum professionellen Tänzer und Choreografen geworden?
Als Schüler habe ich im Festsaal der Schule den Gastauftritt einer Ballettschule gesehen und war direkt Feuer und Flamme. Ich habe aufgehört Fußball zu spielen und mit dem Tanzen angefangen. Ich wusste aber schon direkt zu Beginn, dass mich mehr das Erschaffen von Projekten gereizt hat als selbst auf der Bühne zu stehen und zu tanzen. Daher war meine eigene tänzerische Karriere recht begrenzt auf ein paar Spielzeiten.
Was für Menschen kommen zu Ihnen? Aus welchen Altersgruppen und Schichten?
Ganz bunt gemischt. Wir haben Schülerinnen und Schüler sämtlicher Altersstufen. Hauptsächlich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Aber es existiert auch eine Gruppe mit älteren Damen, die als Kinder oder Jugendliche getanzt haben und nun eine Gruppe gefunden haben, wo sie ihr Hobby weiterführen können.
Was sind die hauptsächlichen Motive der Schülerinnen und Schüler: Freude an der Bewegung zu Musik, Geselligkeit, oder dass einige selbst Profitänzer werden wollen?
Ich denke, es sind alle diese Motivationen vorhanden.
Wie arbeiten Sie mit den verschiedenen Gruppen, Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen?
Ich selbst unterrichte nur noch die Kids Company, weil ich es als eines meiner Talente sehe, insbesondere Kinder in den tänzerischen Grundlagen auszubilden. Ab einem gewissen Alter und Stand gebe ich sie dann in die Hände anderer Dozenten, um ihnen eine weitere Förderung und damit auch Weiterentwicklung zu ermöglichen. Gelegentlich unterrichte ich in der Company der Älteren noch Technik-Klassen. Gelegentlich choreografiere ich auch noch Tänze für Turniere und Aufführungen, aber überlasse es immer mehr der nächsten jungen und kreativen Generation.
Wie finanziert sich die Tanzschule? Bekommen Sie Zuschüsse der öffentlichen Hand?
Wir finanzieren uns ausschließlich durch Beiträge und Sponsoren.
Können Sie selbst davon leben?
Da ich viele Kurse nicht mehr unterrichte, sondern lediglich noch die Kids Company, könnte ich von den Einnahmen natürlich nicht mehr leben, weil ich auch die Honorare und Gehälter des Dozententeams finanzieren muss. Ich habe neben dem Tanzhaus deshalb noch eine Festanstellung in einem anderen Bereich.
Hätte es Sie nicht gereizt, als Tänzer an einer größeren Bühne zu arbeiten, oder gab es keine Gelegenheit dazu?
Selbst Karriere zu machen hat mich tatsächlich nie gereizt. Ich wollte eine Grundlage erschaffen, um Kindern und Jugendlichen einen Raum für tänzerische Entwicklung zu geben.
Treten Gruppen oder Einzelne aus dem Tanzhaus öffentlich auf und nehmen an Tanzwettbewerben teil?
Wir machen regelmäßige Aufführungen mit allen Gruppen. Die Kids Company und die Tanzhaus Company treten auch sehr erfolgreich bei Wettbewerben an. Bei dem Dance World Cup 2025 in Burgos/Spanien hat die Company die Goldmedaille ertanzt.
Manche Ihrer Schülerinnen und Schüler sind an renommierten Akademien gelandet. Sehen Sie sich als Talent-Scout und Tanzförderer?
Nein. Ich sehe mich als jemanden, der einen Raum geschaffen hat, in dem sich Talent entwickeln und wo es gefördert werden kann. Sei es durch das eigene aktive Tanzen oder sei es dadurch, bei Bedarf Möglichkeiten zu bekommen, selbst kreativ zu werden. Es kommt im Tanzhaus auch immer mal wieder vor, dass Schülerinnen und Schüler selbst choreografieren und Tänze entwickeln. Eine ehemalige langjährige Schülerin von mir, die zwischenzeitlich auch eine professionelle Ausbildung gemacht hat, leitet mittlerweile eine große Abteilung im Tanzhaus. Ein anderer ehemaliger Schüler tanzt aktuell in einer Company in Marseille. Es ist sehr bunt gemischt.