Es waren, es ist einige Jahrhunderte her, die höfischen Tänze, die genutzt wurden, um die jungen Damen und Herren (Debütantinnen und Debütanten) der gehobenen Klassen in die »Gesellschaft« einzuführen und sie somit auch gesellschaftsfähig zu machen. Gleichzeitig wurde der Tanz in dieser Gesellschaft genutzt, um die jungen Damen und Herren zu verkuppeln. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese Tänze auch vom »normalen Volk« aufgenommen, und es entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine wahre Revolution der tänzerischen Befreiung in den verschiedenen Bevölkerungsklassen. Gerade die berühmten 20er Jahre zeigen dies deutlich im Umgang mit dem Tanz in der öffentlichen Gesellschaft.  

Parallel zu den Volkstänzen entstand Anfang des 20. Jahrhunderts der Gesellschaftstanz, wie wir ihn seit 125 Jahren kennen und so nennen. Die Grundlagen dazu wurden in den vielen öffentlichen Tanz- und Ballveranstaltungen geschaffen. Die Menschen wollten zu Musik tanzen können, und so entstand der Boom der Tanzschulen, der sich besonders nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau abzeichnete. 

Die Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer unterrichteten in ihren Tanzschulen, auch oft in gemieteten Sälen das, was zum guten Ton für alle Tanzveranstaltungen zählte; es ging darum, sich elegant und gewandt nach Musik bewegen zu können.  

Die Gesellschaftstänze wurden bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in den Tanzschulen in Standard- und Lateintänze eingeteilt. Die jungen Elevinnen und Eleven wurden in den Tanzschulen auch im Umgang miteinander (Umgangsformen) unterrichtet und dann durch die vielen Premierenbälle, die es in Deutschland gab, in die Gesellschaft eingeführt.  

Tänze wie Discofox, Mambo/Salsa, Tango Argentino, Swing und viele mehr wurden als Spezialtänze bzw. kurzlebige Trends bezeichnet und hatten nicht zwingend eine Basis in den deutschen Tanzschulen. Der Film »Dirty Dancing«, der Ende 1987 in die deutschen Kinos kam, ist dafür ein gutes Beispiel. Alle wollten diesen Tanz Mambo lernen, er war der Vorreiter des tänzerischen Wandels im Gesellschaftstanz, obwohl er erstmal nur als Spezialtanz angesehen wurde. 

Die Tatsache, dass sich die Musik veränderte, die Menschen sich mit einfachen Bewegungen zur aktuellen Musik bewegen wollten, hat die Grundlage dafür geschaffen, dass sich auch die Tanzschulen neu positionieren mussten. Tänze wie Discofox, Salsa, Tango Argentino, Swing usw. wurden zum Bestandteil des Unterrichts in den Tanzschulen und somit auch gesellschaftsfähig. 

Interessant ist, dass sich das Thema der Umgangsformen nicht sehr gewandelt hat, denn immer noch zählt es zu den Aufgaben der Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer, die jungen Tänzerinnen und Tänzer im Umgang miteinander zu unterstützen und ihnen die Grundregeln für die Gesellschaft mitzugeben. Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) unterstützt dies mit dem »Anti Blamier Programm« und sieht darin, gerade in der heutigen Zeit, eine wichtige Bereicherung für die heranwachsenden Generationen durch die Tanzlehrenden. 

Das Bild, das noch vor 30 Jahren bei dem Begriff Tanzschule in vielen Köpfen aufpoppte, hat sich sehr gewandelt. Junge Menschen gehen in die Tanzschule, um einander kennenzulernen und wegen der guten sozialen Kontakte. Sie sehen den Tanz in seiner spielerischen Form und nicht mehr als ein Muss mit vielen Beschränkungen. Sie lernen die Tänze nach den Musiken, die auch aktuell gespielt werden, kennen aber z. B. auch noch den Wiener Walzer als Balleröffnung. Viele lernen auch den Tanz in der Form des Hip-Hop, Breakdance, Contemporary usw., kennen und finden dort ihre Freude bzw. tänzerische Berufung. 

Ein Bereich, der auch erwähnt werden muss, ist das sportive Tanzen. Dieses ist gleichberechtigt im Paar- bzw. Solotanz zu sehen. Grundlegend steckt in vielen von uns immer das Bedürfnis, sich mit anderen Menschen zu messen bzw. sich selbst einzuschätzen. Für diesen Bereich gibt es das Medaillentanzen in den Stufen Bronze, Silber und Gold. Hier kann man für sich selbst eine Einschätzung seines Könnens vornehmen lassen. Es geht, ähnlich wie bei der heutigen Form der Bundesjugendspiele, mehr um die eigene Bewegung und den individuellen Umgang damit als um den Wettkampf mit einer Punktetabelle. 

Diejenigen, die den tatsächlichen Wettkampf wollen, finden sich im Tanzsport wieder. Auch wenn das breite Interesse am Tanzsport im Paartanzbereich, sowohl im Amateur- als auch im Profibereich, nachgelassen hat, so ist der Solotanzbereich – Breaking wurde sogar im Jahr 2024 erstmals eine olympische Disziplin – für viele Akteure, gerade weil es hier um Individualität geht, besonders beliebt.  

Alles, was hier genannt wurde, steht unter dem Begriff: Gesellschaftstanz. Er hat einen besonderen Stellenwert im kulturellen und sozialen Umfeld. Die Musik und der Tanz bringen Menschen zusammen, und dies soll die Gesellschaft stärken und einen! 

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 2/2026