Tanzen ist eine universelle Ausdrucksform. Überall auf der Welt wird getanzt, Tänzerinnen und Tänzer verstehen sich auch ohne Worte, Sprachbarrieren bestehen kaum, im Mittelpunkt stehen die Musik, die Bewegung, der Ausdruck und das Miteinander. Unter den künstlerischen Sparten gehört Tanz zu jenen, die besonders international sind. Ballett- und Tanzcompagnien setzen sich aus Tänzerinnen und Tänzern aus aller Herren Länder zusammen. 

 

Früher Beginn 

Solotänzerinnen und -tänzer der großen Ballettcompagnien haben in der Regel bereits im Kindesalter mit dem Unterricht begonnen. Aus dem erst spielerischen Tanzen von vielen kann bei einigen wenigen mit entsprechendem Talent und dann vor allem sehr viel Arbeit und Disziplin eine tänzerische Laufbahn werden. Gerade der frühe Beginn verlangt ähnlich Sportlerinnen und Sportlern Konzentration auf die physische Leistung und ähnlich Musikerinnen und Musikern die ästhetische Auseinandersetzung. Eltern, aber auch Ballettpädagoginnen und -pädagogen haben eine enorme Verantwortung, um zu fördern, aber nicht zu überfordern.  

Daneben darf die Allgemeinbildung nicht zu kurz kommen, denn ähnlich dem Sport endet für die meisten Tänzerinnen und Tänzer die Karriere dann, wenn andere im Beruf nach einer ersten Orientierungsphase durchstarten. Professionelle Tänzerin oder Tänzer zu sein, ist in der heutigen Arbeitswelt oftmals kein Beruf fürs ganze Leben. Anders als Sportlerinnen und Sportler in olympischen Disziplinen sind Tänzerinnen und Tänzer in der Regel keine Berufssoldaten oder bei der Bundespolizei verbeamtet und sichern darüber ihren Lebensunterhalt. Die Transition, d. h. die Neuorientierung nach der ersten Karriere als Tänzerinnen und Tänzer ist und bleibt eine Herausforderung. Auch wenn vielerorts schon frühzeitig darauf aufmerksam gemacht wird, können sich verständlicherweise während der künstlerischen Laufbahn die wenigsten darüber Gedanken machen, was nach dem Tanzen folgt. Zu sehr fordert der Beruf den Menschen mit all seinen Sinnen und seinem ganzen Körper.  

 

Altersdiskriminierung entgegenwirken 

So bedeutsam Transition ist, so wichtig ist es ebenso, die Altersdiskriminierung im Tanz zu reflektieren und ihr entgegenzuwirken. Menschen jenseits der magischen Grenze von 40 Jahren können mit ihrer Lebens- und Tanzerfahrung anders tanzen als es bei Jungen der Fall ist. Dem professionellen Tanz »älterer« Menschen mit Wertschätzung zu begegnen, Stücke für sie zu entwickeln, Ensembles zu fördern und Auftrittsorte zu bieten, ist und bleibt, trotz einiger vielversprechender Projekte wie z. B. DANCE ON, kulturpolitische und künstlerische Aufgabe.  

 

Aus Freude am Tanzen 

Tanzen schafft aber auch über den professionellen Tanz hinaus Gemeinschaft und macht sehr viel Spaß. Sei es im Paartanz, im Gesellschaftstanz, im Volkstanz, im Hiphop und so weiter. Es ist unglaublich faszinierend zu verfolgen, wie durch Bewegung zusammen mit Musik Atmosphäre und Gemeinschaft entstehen kann. Es gibt viele Tanztraditionen, die es zu entdecken und zu bewahren gilt. Die Vielfalt in Deutschland erweist sich auch im Tanz, das trifft auf gewachsene, regional unterschiedliche Tanztraditionen ebenso wie auf neue Tanzstile und Tanzformen, die Einwanderinnen und Einwanderer nach Deutschland bringen, zu.  

 

Tanz und Gesundheit 

Tanz kann ebenfalls therapeutisch wirken. Die Tanztherapie ist schon lange in der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen etabliert, das gilt ebenso für die Rehabilitation von an Krebs oder anderen schweren Krankheiten Erkrankten. Von der gemeinschaftsstiftenden Wirkung des Tanzes können genauso Hochbetagte und Pflegebedürftige profitieren. Der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband hat schon vor Jahren Fortbildungen im Rollatortanz angeboten. Mit dem Rollator ist der Tanzpartner oder die Tanzpartnerin bereits vor Ort. Die Bewegung und das Anknüpfen an alte Bewegungsmuster können zu neuer Lebensqualität und Freude beitragen. Im vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projekt »Bewegte Pflege« werden aktuell Entwicklungspotenziale zur Teilhabeförderung in der Pflege erforscht und Rahmenempfehlungen für gelingende Kulturarbeit in Pflegeeinrichtungen erarbeitet. Ein Thema, das für Pflegende und Pflegebedürftige sowie deren Angehörige gleichermaßen relevant ist. Gerade in einer alternden Gesellschaft sollten viele Potenziale geschaffen und genutzt werden, um Teilhabe zu ermöglichen. 

An junge Menschen richtet sich bereits seit 2018 das Angebot »tanz + theater machen stark«. Es ist ein Projekt im Rahmen des Bundesprogrammes »Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung« und richtet sich besonders an Kinder und Jugendliche, die in einer materiell oder sozial schwierigen Situation aufwachsen. Viele dieser Kinder und Jugendlichen haben keinen Zugang zu kultureller Bildung, sei es, weil das Geld dafür fehlt, sei es, weil Zugangsbarrieren bestehen. Die lokalen Bündnisse »tanz + theater machen stark«, an denen mindestens drei Partner beteiligt sein müssen, adressieren gezielt diese Kinder und Jugendlichen. Seit 2018 wurden 329 Projekte aus allen 16 Bundesländern gefördert. 

Bei der Planung dieses Schwerpunktes habe ich die Vielfalt des Tanzes, aus der ich nur einige wenige Aspekte erwähnt habe, viel besser kennengelernt. Mein herzlicher Dank gilt Michael Freundt, dem Geschäftsführer des Dachverbands Tanz, der bei der Planung und Umsetzung dieses Schwerpunktes ein wichtiger und umsichtiger Ratgeber war. In diesem Sinne für die nächsten Seiten: Darf ich bitten! 

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 2/2026