Seit 20 Jahren vernetzt das CrossCulture Programm des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen engagierte Fachkräfte weltweit und schafft Räume für Dialog, Perspektivwechsel und zivilgesellschaftliches Engagement.
Was ist das CrossCulture Programm, und welche Ziele verfolgt es?
Mit dem CrossCulture Programm (CCP) bringt das ifa engagierte Menschen aus aller Welt zusammen, die sich für einen positiven Wandel, für Menschenrechte und Freiheit einsetzen. Seit 2005 fördert das Programm den interkulturellen Austausch zwischen Zivilgesellschaften und ermöglicht Dialog, Perspektivwechsel sowie gemeinsames Lernen. Ins Leben gerufen im Nachgang der Terroranschläge vom 11. September in den USA, war der Leitgedanke damals, mit dem Programm den transkulturellen Dialog zwischen islamisch geprägten Gesellschaften und Deutschland zu stärken. In den Folgejahren wurde das Portfolio um zusätzliche Zielregionen erweitert.
Heute erhalten jährlich bis zu 60 Fachkräfte aus über 55 Ländern – vor allem aus Nordafrika, dem Nahen Osten, Osteuropa, Teilen Asiens und Lateinamerika – die Möglichkeit, für bis zu drei Monate in einer Gastorganisation in Deutschland zu arbeiten. Gleichzeitig absolvieren einige deutsche Teilnehmende Hospitationen in Partnerländern.
Welche Zielgruppen spricht es an?
Mit dem Programm stärkt das ifa gezielt zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure weltweit – das ist ein Grundpfeiler der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Gerade in autoritär regierten oder konfliktgeprägten Ländern brauchen Engagierte Austausch, Sichtbarkeit und Schutzräume. Das CrossCulture Programm ist hier Brückenbauer und Plattform zugleich – im Sinne der Mission des ifa, Zivilgesellschaften weltweit zu vernetzen und Räume für Verständigung zu schaffen.
Speziell richtet sich das CrossCulture Programm an junge Fachkräfte und engagierte Ehrenamtliche aus der Zivilgesellschaft, insbesondere aus NGOs, Bildungs- oder Kulturinstitutionen sowie Medien. Thematische Schwerpunkte sind etwa Gesellschaft, Kultur, Menschenrechte, nachhaltige Entwicklung, Diversität sowie Erinnerungskultur.
Auch für deutsche Organisationen bietet das CrossCulture Programm Impulse: Sie profitieren vom Knowhow der Teilnehmenden, bauen nachhaltige Partnerschaften auf und erweitern ihre Perspektiven auf globale Zusammenhänge. Der Austausch stärkt das gemeinsame Verständnis von offenen Gesellschaften und demokratischen Werten. Ein Beispiel ist hier die Zusammenarbeit der ukrainischen CCP-Stipendiatin Kateryna Semenyuk mit dem Kunstmuseum Stuttgart. Dort kuratierte sie die Ausstellung »From 1914 till Ukraine« mit Oksana Dovgopolova. Die Ausstellung stellte die von den beiden Weltkriegen geprägten Werke des Malers Otto Dix den Arbeiten ukrainischer Künstlerinnen und Künstler gegenüber: Letztere schilderten künstlerisch ihre Reaktion auf den russischen Angriffskrieg.
Es gibt ein großes Netzwerk von ehemaligen Teilnehmenden. Wie wird dieses gepflegt und genutzt?
Aus einem Förderprogramm ist in den vergangenen 20 Jahren eine globale Community mit über 1.200 Alumni geworden. Dieses lebendige Netzwerk ist das Herzstück des CrossCulture Programms. Ehemalige bleiben über Capacity-Building-Workshops, Onlineformate und Regionaltreffen aktiv, viele werden Mentorinnen oder bauen eigene Initiativen auf. Ein weiterer Verbindungspunkt ist derzeit auch die Ausstellung »Connecting Roots: Collective Stories, Individual Identities« in der ifa-Galerie Stuttgart, kuratiert von ehemaligen CCP-Stipendiatinnen und -Stipendiaten, die internationale zivilgesellschaftliche Netzwerke und globale Perspektiven des Erinnerns ins Zentrum stellt und 15 Künstlerinnen und Künstler aus zehn Ländern der CCP-Community einbezieht, mit ihren jeweils eigenen Blickwinkeln auf das Thema Erinnerung. Hier entsteht Verständnis füreinander. So trägt das CrossCulture Programm dazu bei, eine handlungsfähige, international vernetzte Zivilgesellschaft zu stärken – was angesichts zunehmender Polarisierung und globaler Spannung besonders wichtig ist.