Die Deutschen Auslandsschulen (DAS) sind Teil einer zukunftsorientierten Außenpolitik und eine zentrale Säule der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik Deutschlands, denn sie sind weit mehr als Bildungseinrichtungen: In über 70 Ländern auf allen Kontinenten bilden sie ein globales Netzwerk von Leistungsträgern mit gemeinsamer Sprache, Kultur und Wertebasis. Als Talentzentren, besonders im MINT-Bereich, sichern sie Fachkräftepotenzial für Deutschland, stärken Wirtschaft und Innovation und fördern die internationale Mobilität von Unternehmen. Zugleich wirken sie als wertebasierte Soft Power, schaffen geopolitische Resilienz und nachhaltige Beziehungen. Ihr Charakter als »erstrangiger Wirtschaftsfaktor« mit über 1,2 Milliarden Euro Wertschöpfung wird vom Bundestag anerkannt und ihr dreifacher Nutzen für Sitzländer, Absolventen und Deutschland (»Triple Win«) ist wissenschaftlich belegt.

85.000 Schülerinnen und Schüler und rund 18.000 Kinder in der frühkindlichen Bildung an 136 DAS lernen in ihrer Schullaufbahn nicht nur die Sprache, sondern leben und verinnerlichen ganzheitlich eine besondere Lehr- und Lernkultur wie auch die Kultur Deutschlands – von der Kinderkrippe bis zur Hochschulqualifikation. 35 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben deutsche Wurzeln, 65 Prozent nicht. Der Bundestag hat diesen Begegnungscharakter besonders gewürdigt.

Kulturelle Bildung ist dabei ein zentraler Auftrag der Deutschen Auslandsschulen: Sie vermitteln deutsche Sprache, Literatur, Geschichte, Musik, Kunst und Werte wie Demokratie und Freiheit, binden zugleich die Landessprache und kulturelle Traditionen aktiv in Unterricht und Schulleben ein. In Klassen mit durchschnittlich 13 Nationen entsteht gelebte Interkulturalität, die Toleranz, Respekt und interkulturelle Kompetenz fördert.

DAS fördern ferner Inklusion durch individuelle Konzepte und bieten Bildung für alle Schichten durch Stipendien oder reduziertes Schulgeld. Ihre Qualität wird schließlich durch die Bund-Länder-Inspektion zertifiziert.

 

Deutsche Auslandsschulen sind existenzbedroht

Trotz ihrer anerkannten Beiträge zur AKBP sind die Deutschen Auslandsschulen existenziell bedroht. In der 20. Legislaturperiode hat das Auswärtige Amt substanzielle Kürzungen vorgenommen. Bereits seit 2023 wurden Reduzierungen beim Qualitätsmanagement und der Förderung umgesetzt. In 2025 müssen die DAS sogar eine Kürzung der freiwilligen finanziellen Förderung von 100 Prozent verkraften. Laufende Förderverträge werden geändert, Kürzungen treffen die Schulträger rückwirkend, da das laufende Schuljahr betroffen ist. Der Sinn des Auslandsschulgesetzes, eine verlässliche Förderung zu gewährleisten, wird damit nicht erfüllt. Die Einsparungen gefährden nicht nur die Entwicklung und Qualität der DAS grundlegend, sondern auch ihre Offenheit für Schülerinnen und Schüler aus allen sozialen Schichten. Damit ist ihre Existenz bedroht.

 

Mittlerorganisationen mit dem höchsten Eigenanteil an Finanzierung

Die DAS sind gemeinnützige, selbstverwaltete Einrichtungen. In der Regel gründen Eltern, Ehemalige oder Unternehmensvertreter Schulvereine, die die Schulen eigenständig leiten. Gesetzlich verpflichtet, erwirtschaften die Schulträger über zwei Drittel ihres Budgets durch Schulgelder vor Ort. Mit rund 530 Millionen Euro jährlich decken sie 72 Prozent der Gesamtkosten. Obwohl deutsche Schülerinnen und Schüler nur 36 Prozent der Schülerschaft ausmachen, entspricht ihre Beschulung rechnerisch dem gesamten Förderbetrag aus Deutschland. Würden sie in Deutschland unterrichtet, entstünden Kosten von rund 291 Millionen Euro jährlich. Die staatliche Förderung durch Bund und Länder erfolgt vor allem durch die Vermittlung von Lehrkräften aus Deutschland, die die deutschen Bildungsstandards sicherstellen. Etwa ein Fünftel der Lehrkräfte an DAS sind aus Deutschland. Der finanzielle Anteil der staatlichen Förderung an den Schuletats macht durchschnittlich unter 10 Prozent aus. Diese Mittel sind jedoch entscheidend, um soziale Vielfalt und durchgängige Bildungsbiografien zu ermöglichen. Die DAS sind offene Orte der Begegnung – und genau das steht nun auf dem Spiel.

 

Vier Kernforderungen

Mit der Berliner Erklärung hat der Weltverband Deutscher Auslandsschulen im Juni 2025 eine entschlossene Antwort auf diese Entwicklungen vorgelegt. Sie fasst die Einzelstimmen der Schulträger und des weltweiten Netzwerks der DAS zu einer starken, gemeinsamen Position zusammen. Vier Kernforderungen stehen im Mittelpunkt der Berliner Erklärung:

 

  1. Die Existenzsicherung und der Erhalt der Qualität der Deutschen Auslandsschulen muss priorisiert werden. Der hierfür relevante Schulfonds muss nachhaltig ausgestattet und umstrukturiert werden. Die dort enthaltenen Personalkosten müssen mit dem Zweck ausgelagert werden, Personalverstärkungsmittel für Gehaltssteigerungen zu nutzen. Neue Aufgaben benötigen zudem zusätzliche Mittel.
  2. Die Vielfalt der Schulabschlüsse ist eine Stärke – jeder Abschluss hat seinen eigenen Wert, der sich am besten entfaltet, wenn er an den individuellen Standort der jeweiligen Schule angepasst ist. Die unterschiedlichen Schulabschlüsse dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Kein Abschluss darf finanziell benachteiligt werden.
  3. Als langfristig etablierte, im Regelfall über Jahrzehnte oder Jahrhunderte verankerte Institutionen in den Sitzländern sind die DAS verlässliche Partner der deutschen Außenpolitik. Sie benötigen ebenfalls Verlässlichkeit durch langfristige Förderstrategien. Politisch motivierte, kurzfristige Standortentscheidungen und jährlich neu zu verhandelnde Förderverträge stehen diesem Anspruch entgegen und verhindern eine zielgerichtete, nachhaltige Entwicklungsperspektive.
  4. Die DAS sind die Mittlerorganisationen mit dem höchsten Eigenanteil an der Finanzierung in der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. In dieser Rolle erwarten die Schulträger, an politischen Entwicklungen und Entscheidungen, die sie betreffen, frühzeitig, partnerschaftlich und respektvoll beteiligt zu werden.

 

Zukunft nur mit Partnerschaft

Die Deutschen Auslandsschulen sind Orte gelebter Partnerschaft. Sie verbinden Menschen, Kulturen und Bildungswege – und schaffen so ein stabiles Fundament für Vertrauen und Zusammenarbeit. Wer die auswärtige Kultur- und Bildungspolitik stärken will, muss diese bewährten Netzwerke sichern. Nur so kann Deutschland in einer vernetzten Welt offen, innovativ und verlässlich bleiben.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 9/2025.