Im Jahr 1912 stellt der deutsche Historiker Karl Lamprecht erstaunt fest, dass die Welt sich nicht nur mit Kulturpolitik, sondern auch mit einem damals noch neuen Feld beschäftigt: der Auswärtigen Kulturpolitik. Lamprecht versteht das als Weckruf und sieht für Deutschland einen dringenden Aufholbedarf. Einige Jahrzehnte später, in der noch jungen Bundesrepublik, nimmt dieser Gedanke eine besondere Form an: Hanna Bekker vom Rath – Malerin, Galeristin und unermüdliche Unterstützerin verfemter Künstlerinnen und Künstler – reist ab den 1950er Jahren im Auftrag des Auswärtigen Amts um die Welt. Mit ihrem Metallkoffer, gefüllt mit Zeichnungen und Druckgrafiken, präsentiert sie Ausstellungen und schafft Verbindungen nach Nord- und Südamerika, Südafrika, Indien, Griechenland und in den Nahen Osten.

Die Zeit der Kofferausstellungen ist vorbei, doch die Idee bleibt: Kunst hat das Potenzial, Menschen weltweit zu verbinden, zu begeistern und Dialoge anzustoßen. Genau das ist die DNA der Agentur für Internationale Museumskooperation: Wir sind Ansprechpartnerin für Museumschaffende, die ihre grenzübergreifenden Ideen realisieren und mit internationalen Projekten nachhaltig (Museums-)Beziehungen verbessern wollen.

Gegründet von der Bundesrepublik Deutschland und gefördert vom Auswärtigen Amt, begleiten wir Institutionen in Deutschland – von Stadtmuseen bis hin zu großen Landes- und Bundesinstitutionen sowie Gedenkstätten – mit einem breiten Angebot. Internationale Partnerschaften sind auch im Museumsbereich oftmals mit personellen, bürokratischen und finanziellen Hürden verbunden, die gemeinsame Projekte und Ziele erschweren und ausbremsen. Die Museumsagentur möchte ganz im Sinne eines »One-Stop-Shop« Hilfestellungen und Lösungen anbieten: von der ersten Idee bis zur Umsetzung eines Projekts, individuell, strategisch und praxisnah. Der Servicegedanke ist für uns als Agentur und Dienstleisterin für Museen wesentlich: Um auf konkrete Anfragen und die unterschiedlichen Bedarfe der vielfältigen deutschen Institutionen optimal eingehen zu können, entwickeln wir zusammen mit einem Netzwerk aus Expertinnen und Experten maßgeschneiderte Lösungen. Dabei unterstützt die Museumsagentur von der gemeinsamen Ideenentwicklung über die Suche nach geeigneten internationalen Partnerinstitutionen bis hin zum Projektmanagement und Fragen musealer Infrastruktur.

Ab Herbst bieten wir mit unseren »International Programmes« Förderlinien an, die eine finanzielle Flankierung der Serviceangebote der Museumsagentur ermöglichen und Museen in allen Projektphasen gezielt unterstützen. Zentrale Bestandteile unserer Programmarbeit sind außerdem der Fachaustausch über Ländergrenzen hinweg, die Vernetzung auf internationaler Ebene und das gemeinsame Lernen – voneinander und miteinander. Zukünftig werden wir uns im Verbund mit weiteren Institutionen mit Fragen der Rückgabe von Kulturgut mit kolonialer Vergangenheit auseinandersetzen.

Mit unseren Pilotprojekten positionieren wir uns als Dienstleisterin für Museen und Museumsschaffende im In- und Ausland. Wir hören aufmerksam zu, reagieren flexibel auf Anfragen und Anforderungen und entwickeln unsere Angebote, Programmlinien und Netzwerke kontinuierlich weiter.

Eine erste Informations- und Recherchereise für Museumsschaffende führte in verschiedene Städte und Regionen Chinas, unter anderem auch nach Chengdu, Chongqing und Deyang. Zum Jahresende ist eine Reise in die Türkei geplant. Diese Reisen ermöglichen es, Netzwerke aufzubauen, bestehende institutionelle Kontakte zu vertiefen und den persönlichen Austausch zwischen internationalen Kulturakteurinnen und -akteuren zu fördern. Seit letztem Jahr arbeitet die Museumsagentur eng mit der ukrainischen Stiftung OBMIN zusammen und unterstützt gemeinsam mit weiteren Partnern Museen in der Ukraine bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen. Im September bringen wir ukrainische Museumsschaffende mit deutschen und polnischen Outreach-Fachleuten zusammen, um sich über Best-Practice-Ansätze in den Bereichen Barrierefreiheit, mehrsprachige Angebote und inklusives Storytelling auszutauschen. Außerdem starten wir dann mit den »Museum Mutuals« – einer Online-Gesprächsreihe, die sich mit internationalen Kooperationen zwischen Museen verschiedener Fachrichtungen und mit Gemeinsamkeiten in der museologischen Praxis beschäftigt.

 

Museen als Orte des Vertrauens und der Reflexion

In einer post-pandemischen Welt, geprägt von gesellschaftlicher Verunsicherung und globalen Umbrüchen, mag es naheliegen, den Blick verstärkt nach innen zu richten. Doch gerade jetzt sind neue, mutige Impulse gefragt, wie sie die Agentur für Internationale Museumskooperation als junges Start-up setzt. Zukunft gestalten heißt, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern – ganz im Sinne von Hanna Bekker vom Rath – den Koffer zu packen und zuversichtlich aufzubrechen, um Ideen, Menschen und Institutionen miteinander zu verbinden. Dabei gewinnen alle Seiten – fachlich, inhaltlich, kulturell und menschlich. Und weil manchmal alles mit einer Ausstellung im Gepäck beginnt: Wer könnte dafür besser geeignet sein als die Institutionen, für die und mit denen wir arbeiten – die Museen?

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 9/2025.