Am 22. November letzten Jahres ist Rolf Zitzlsperger im Alter von fast 91 Jahren verstorben. Er gehörte seit den 1980er Jahren bis Ende der 1990er Jahre dem Sprecherrat des Deutschen Kulturrates an.  

Sein berufliches Wirken ist eng mit der Leseförderung und der Medienbildung verbunden. Im Jahr 1976 gründete er die Deutsche Lesegesellschaft, die schließlich 1988 in der Stiftung Lesen aufging. Rolf Zitzlsperger entwickelte die Programme der Stiftung Lesen und leitete sie. Es gelang ihm, hochkarätige und bekannte Persönlichkeiten sowie Verbände und Institutionen als Partner der Stiftung zu gewinnen.  

Im Mittelpunkt stand stets die Mission, die Menschen für das Lesen an sich zu begeistern: für Comics, die Tageszeitung oder Zeitschrift, das Fachbuch, die Gebrauchsanleitung, den Roman oder das Gedicht. Lesen als Schlüsselkompetenz zur Erschließung der Welt stand und steht im Mittelpunkt der inzwischen personell gewachsenen und längst etablierten Stiftung Lesen. Darüber hinaus widmet sich die Stiftung Lesen seit ihren Anfangsjahren der Leseforschung. Der Amerikanist Rolf Zitzlsperger suchte gezielt den Kontakt zu US-amerikanischen Forscherinnen und Forschern wie z. B. Neil Postman mit seinem inzwischen zum Klassiker gewordenen Werk »Wir amüsieren uns zu Tode«. Rolf Zitzlsperger prägte die Anfangsjahre der Stiftung Lesen.  

Im Deutschen Kulturrat vertrat er im Sprecherrat die Arbeitsgemeinschaft Literatur. Als Vorsitzender des Deutschen Kulturrates war ihm der europäische Austausch ein besonderes Anliegen. So gehörte er unter anderem als Sachverständiger der Auswahlkommission der ersten Generation der europäischen Kulturförderprogramme (Ariane, Raphael und Kaleidoskop) an. Ebenso geht die Verleihung des Kulturgroschens des Deutschen Kulturrates, heute Deutscher Kulturpolitikpreis, auf seine Initiative zurück.  

Als im Jahr 1995 aus der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kulturrat der Deutsche Kulturrat e. V. gegründet wurde, trat die Deutsche Literaturkonferenz als einzige den Literaturbereich vertretende Sektion dem neuen Verein bei. Die Arbeitsgemeinschaft Literatur löste sich auf, und deren Mitglieder konnten der Deutschen Literaturkonferenz beitreten. Rolf Zitzlspergerhat diesen Prozess moderiert. 

Später wurde er als Vertreter der Sektion Film und audiovisuelle Medien, heute Deutscher Medienrat, in den Sprecherrat des Deutschen Kulturrates entsandt. Er wirkte sowohl im Sprecherrat als auch im Fachausschuss Europa/Internationales mit, dessen Vorsitz er zeitweilig innehatte. 

Rolf Zitzlsperger war zielstrebig umtriebig. Von Hindernissen ließ er sich nicht beirren, sondern unternahm stets neue Anläufe, um sein Ziel zu erreichen. Dabei konnte er Menschen begeistern und für seine Anliegen gewinnen. Sein Wesen und seine Arbeit waren von einem tiefen Humanismus geprägt. 

Rolf Zitzlsperger war einer der intensivsten Begleiter meiner ersten Jahre als Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates. Er hat mir geholfen, den Überblick nicht zu verlieren, und seine langjährigen Verbandserfahrungen hat er immer bereitwillig geteilt. Über sein »Kind«, den regionalen Fernsehsender K3 Kulturkanal mit Sitz in Mainz, haben wir immer wieder gesprochen, auch weil für Rolf Zitzlsperger Medienpluralität nicht einfach ein politischer Begriff war, sondern er sie mit größtem Engagement gelebt hat. Dabei hat er sich nicht gescheut, auch den Mächtigen der Medienwelt gewaltig auf die Füße zu treten. Er war ein Vorbild. 

Der Deutsche Kulturrat wird ihn und sein Wirken nicht vergessen. 

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 2/2026