Im September 2024 nahm die Nathan Peter Levinson Stiftung, gestiftet vom Zentralrat der Juden in Deutschland, ihre Arbeit an der Universität Potsdam auf. Sie setzt einen Meilenstein in der Geschichte der rabbinischen Ausbildung in Deutschland: Die Stiftung vereint akademische Exzellenz mit einer transparenten, zeitgemäßen Struktur in der Ausbildung liberaler (Reform) und konservativer (Masorti) Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantoren.
Unter ihrem Dach vereint die Levinson Stiftung drei eigenständige Seminare, die ihr Herzstück bilden: Das Abraham J. Heschel Seminar bildet Rabbinerinnen und Rabbiner für Masorti Gemeinden aus, das Regina Jonas Seminar bereitet künftige Geistliche für liberale Gemeinden vor, und das Louis Lewandowski Seminar widmet sich der musikalisch-liturgischen Ausbildung von Kantorinnen und Kantoren.
Rabbiner Nathan Peter Levinson (1921-2016), die Schlüsselfigur des liberalen Judentums der Nachkriegszeit, Schüler des Rabbiners Leo Baeck, ist nicht zufällig Namensgeber der Stiftung. Seine dialogischen Ansichten, seine Jahrhundertbiografie sprechen für sich: Heute, mehr denn je, brauchen wir integrierende Akteurinnen und Akteure, die die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland gestalten. Rabbiner Levinson sel. A. war und bleibt eine solche Figur.
Drei Profile – ein gemeinsames Ziel
Das Abraham J. Heschel Seminar, benannt nach dem Rabbiner, Religionsphilosophen und politischen Aktivisten Abraham Joshua Heschel (1907-1972), ist das jüngste Mitglied im internationalen Netzwerk konservativer (Masorti) Rabbinerseminare. Der Lehrplan entsteht in enger Kooperation mit der Ziegler School of Rabbinic Studies an der American Jewish University in Los Angeles.
Das Regina Jonas Seminar, benannt nach der ersten ordinierten Rabbinerin der Welt (1902-1944), steht in der Tradition des liberalen Judentums. Es vermittelt eine hochwertige rabbinische Ausbildung, geprägt von persönlichem Engagement, spiritueller Tiefe und gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein. Das Seminar bekennt sich ausdrücklich zu den Werten des egalitären Judentums, zum interreligiösen Dialog, zu Pluralismus und der sozialen Gerechtigkeit. Das Louis Lewandowski Seminar ist nach dem bedeutenden deutsch-jüdischen Komponisten (1821-1894) benannt, der Tradition und Moderne auf unverwechselbare Weise miteinander verband. Es arbeitet sowohl im liberalen Reform als auch im Masorti Kontext und qualifiziert zukünftige Kantorinnen und Kantoren für die musikalische Gestaltung und spirituelle Begleitung jüdischer Liturgie.
Akademische Verankerung und internationale Partnerschaften
Als angehendes An-Institut der Universität Potsdam ist die Levinson Stiftung eng mit der School of Jewish Theology (Universität Potsdam) sowie den Jüdischen Studien verbunden. Die Studierenden nehmen nicht nur an den Kursen der stiftungseigenen Seminare teil, sondern besuchen auch Lehrveranstaltungen der Fakultät. Der Lehrplan umfasst u. a. Tora und Talmud, Seelsorge, rabbinisches Leadership für künftige jüdische Geistliche. Die Stiftung hat bereits Kooperationen oder einen systematischen Austausch mit Partnern im In- und Ausland aufgebaut. Die Absolventinnen und Absolventen von Stiftungsseminaren werden die Anerkennung der relevanten nationalen und internationalen Strukturen des liberalen (Reform) und konservativen (Masorti) Judentums erhalten.
Wer studiert an der Levinson Stiftung?
Aktuell sind sechzehn Studierende aus Deutschland, Australien, Osteuropa, den USA und Israel eingeschrieben. Einige von ihnen bringen bereits einen akademischen Abschluss mit, andere streben diesen in Potsdam an. Ein Viertel der Studierenden und die Hälfte der Stiftungsmitarbeitenden sind Frauen.
Die Entscheidung für das Rabbinats- oder Kantoratstudium verlangt nicht nur fachliche Qualifikation, sondern auch ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein und persönlicher Reife. Entsprechend sorgfältig gestaltet sich das Aufnahmeverfahren: Neben akademischen Nachweisen ist von Bewerberinnen und Bewerbern auch ihr Engagement in der jüdischen Gemeinschaft und ihre Bereitschaft zu belegen, diesen anspruchsvollen und so wichtigen Weg zu gehen.
Jüdische Geistliche – wohin des Weges?
Eines der Hauptziele der Levinson Stiftung ist es, eine neue Generation jüdischer Geistlicher für die Gemeinden in Deutschland und Europa auszubilden. Gleichzeitig stehen den Absolventinnen und Absolventen vielfältige berufliche Wege offen: Sie können eine akademische Laufbahn einschlagen, in Bildungsinstitutionen lehren oder sich in weiteren religiösen, zivilgesellschaftlichen und öffentlichen Organisationen engagieren.
Rabbinerinnen und Rabbiner, Kantorinnen und Kantoren stiften Frieden und Miteinander – eine solche Rolle für rabbinische und kantorale Geistliche in der Gesellschaft streben wir gemeinsam an.
Weitere Informationen online unter: levinson-stiftung.de