Am 26. Februar dieses Jahres ist der Jazzmusiker und Lichtkünstler Klaus Geldmacher nach schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren verstorben. Ich habe Klaus Geldmacher kennengelernt, als er Vorsitzender der Fachgruppe Bildende Kunst der Gewerkschaft IG Medien war. Er hat mich, einen Kunsthändler, ermutigt und beauftragt, Professionalisierungsseminare für bildende Künstlerinnen und Künstler zu entwickeln und im Auftrag der IG Medien, heute ver.di, durchzuführen.

Das zeigt das unkonventionelle über Grenzen weisende Denken von Klaus Geldmacher. Geboren wurde er 1940 in Frankfurt/Main und wuchs zunächst im Oberhessischen auf, nachdem seine Mutter mit ihren drei Kindern wegen Bombenalarm evakuiert worden war. Sein Vater war Wehrmachtssoldat und wurde 1957 für tot erklärt. Klaus hatte, wie er selbst zu seinem 75. Geburtstag schrieb, eine behütete Kindheit bei seiner Mutter, die fest an ihn glaubte, obwohl seine schulischen Leistungen nicht die besten waren. Etwas, was uns beide verband.

Zuerst führte ihn sein Weg zur Musik. Als Jazztrompeter wirkte er in verschiedenen Ensembles mit, nahm erfolgreich an Wettbewerben teil. Anfang der 1960er wandte er sich vom Musikmachen ab, die bildende Kunst wurde wichtiger. Die ersten drei Semester des Malereistudiums an der Kunsthochschule in Hamburg verliefen zunächst wenig erfolgreich, bis er in die Klasse von Harry Kramer aufgenommen wurde und dort zu seiner bildkünstlerischen Ausdrucksform der Lichtkunst fand. Im Jahr 1966 wurde Geldmacher für seine ersten drei Lichtobjekte mit dem »Kunstpreis der Jugend – für Malerei« ausgezeichnet. Bei der 4. documenta 1968 nahm er mit Francesco Mariotti mit einem haushohen Lichtwürfel teil. Geldmacher wurde von verschiedenen Galerien vertreten. Seine Werke sind in diversen deutschen Museen zu sehen.

Mich haben seine Lichtkunstwerke immer gefesselt. Neonröhren, Glühlampen, LEDs waren seine Malstifte. Er konnte virtuos mit dem Lötkolben umgehen, ohne dass seine Kunstwerke zu Technikobjekten wurden. Zeichnen mit Licht war seine Berufung.

Die künstlerische Arbeit reichte Klaus Geldmacher aber nicht allein. 1965 trat er in die SPD ein. Er arbeitete im SPD-Bundesvorstand als Kulturreferent und er war hauptamtlicher Mitarbeiter im Wahlkampfteam von Hans-Ulrich Klose als Kandidat für das Amt des Ersten Hamburger Bürgermeisters. Ende der 1970er Jahre arbeitete er beim damaligen Hamburger Kultursenator Wolfgang Tarnowski als Pressereferent. Doch Klaus Geldmacher war kein »Parteisoldat«. Immer wieder eckte er an und wollte sich weder ein- noch unterordnen.

Verbandspolitisch engagierte sich Geldmacher im Deutschen Künstlerbund und später als Vorsitzender der Fachgruppe Bildende Kunst der IG Medien, wo wir uns kennenlernten. Mit Verve und großem Engagement setzte er sich für die Verankerung von Ausstellungsvergütungen im Urheberrecht ein. Das ambitionierte Vorhaben ist immer noch nicht vollständig umgesetzt, aber Klaus Geldmacher hat den Weg bereitet.

Klaus Geldmacher war streitbar. Er war impulsiv und er kämpfte für das, wovon er überzeugt war.

In der Erinnerung bleiben seine Inspiration, sein Gestaltungswille, seine Fähigkeit zu begeistern und sein überragendes künstlerisches Werk. Insgesamt vier Mal hat er ein Lichtkunstwerk für die Preisträgerinnen und -träger des Deutschen Kulturpolitikpreises des Deutschen Kulturrates gestaltet. Ein fünftes hat er noch kurz vor seinem Tod fertiggestellt. Der nächste Preisträger oder die nächste Preisträgerin werden also einen letzten Geldmacher erhalten. – Mich hat er geprägt und ohne seine Ermutigung hätte ich vielleicht nie den Weg in die Kulturpolitik gefunden. Auch dafür danke ich ihm.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 4/2026