Mit Ausstellungen und Konzerten, Aufführungen, Lesungen, Live-Performances, mit allerlei Projekten zum Teilhaben, Dabeisein, Mitmachen begeht die Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden – GEDOK – ihren 100.Geburtstag. Bundesweit zeigen in diesem Jahr 23 regionale Gruppen, was in ihnen steckt. Zur Geschichte zwischen 1926 und 2026 gehört auch die Entwicklung der GEDOK.

Unter dem Namen »Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen« gründete die Mäzenin und Frauenrechtlerin Ida Dehmel 1926 in Hamburg die GEDOK. Künstlerinnen der angewandten, bildenden und darstellenden Kunst, Filmemacherinnen, Fotografinnen, Literatinnen, Musikerinnen, diejenigen, die sich interdisziplinär ausdrücken oder neue Medien nutzen, finden in der GEDOK Raum für Begegnung, Austausch, Interaktion, Förderung, vor allem Öffentlichkeit und damit Sichtbarkeit. In dieser zukunftsweisenden Struktur manifestiert sich das Alleinstellungsmerkmal der GEDOK.

Erste Pläne zur Gründung eines überregionalen Künstlerinnenbundes hatte Ida Dehmel (1870-1942) bereits 1912. Sie war eine brillante Netzwerkerin, eine Anstifterin und Organisatorin. Sie pflegte Kontakte in die Gesellschaft und verstand es, ein kunstinteressiertes und zahlungskräftiges Publikum um sich zu versammeln. Ihre Persönlichkeit, ihr Charisma und auch die Tatsache, dass das Dehmelhaus in Hamburg-Blankenese Anfang des 20. Jahrhunderts zum Treffpunkt des Who’s who kulturellen Lebens in Deutschland geworden war, kamen Ida Dehmels Anliegen zugute.

Aus dem Zusammenschluss bereits bestehender Künstlerinnenvereine in Deutschland entsteht mit der GEDOK ein Dachverband, der zum Netzwerk wird und sich schnell über den deutschsprachigen Raum ausbreitete. Binnen kürzester Zeit zählte der Verband rund 7.000 Mitglieder. Das Besondere war: Kunstliebende Frauen verschiedener sozialer Schichten gehörten als fördernde Mitglieder dazu. Ziel war die Einbindung von Künstlerinnen in das öffentliche Kunst- und Kulturleben der Weimarer Republik. Es ging um die Förderung der beruflichen und wirtschaftlichen Interessen von Künstlerinnen sowie um die Erhöhung ihrer Erfolgschancen in einem männerdominierten Kunstbetrieb. Fortan wurden in öffentlichen wie privaten Räumen Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten, Konzerte, Lesungen und Aufführungen organisiert. Förderinnen wie die Sozial- und Kulturpolitikerin Edith Mendelssohn Bartholdy oder die Kunsthistorikerin, Sammlerin und Mäzenin Rosa Schapire unterstützten mit ihren Kontakten in die Gesellschaft dieses Ziel. Bekannte Autorinnen wie Ricarda Huch oder Annette Kolb, Bildende Künstlerinnen wie Clara Rilke-Westhoff, Milly Steger, Anita Ree oder Käthe Kollwitz, die Tänzerin Mary Wigman, Komponistinnen wie Alice Samter oder Grete von Zieritz bekannten sich mit ihrer Mitgliedschaft zur GEDOK.

Nach Hitlers Wahlsieg am 30. Januar 1933, dem Erlass des Ermächtigungsgesetzes und dem ersten Boykottaufruf gegen Juden am 1. April gingen die politischen Veränderungen rasant vor sich. Für die GEDOK waren die Konsequenzen dramatisch. Am 22. April 1933 drangen SA-Leute in die Hamburger Mitgliederversammlung ein, zwangen Ida Dehmel wegen ihrer jüdischen Herkunft zum Rücktritt von allen ihren Ämtern und lösten die Versammlung mit Gummiknüppeln auf. Im September darauf wurde Elsa Bruckmann neue Präsidentin der GEDOK. Als Hitleranhängerin, Mitglied der NSDAP und der NS-Frauenschaft sowie Vorstandsmitglied im »Kampfbund für deutsche Kultur« strebte sie die Ausrichtung der Reichs-GEDOK im Hinblick auf die Verbreitung und Umsetzung nationalsozialistischer Kulturpolitik an. Aufgrund der Eingliederung der GEDOK in die Reichskulturkammer und ihre Fachkammern wurde die »arische Herkunft« als Bedingung für eine Mitgliedschaft in die Satzung aufgenommen. Eilfertig passten sich viele Regionalverbände der völkischen Nazi-Ideologie an. Zugleich gab es viele Austritte vor allem jüdischer Künstlerinnen und Förderinnen. Auch einige Regionalgruppen lösten sich auf. 1935 zählte die GEDOK nur noch 2.195 Mitglieder.

Nach Kriegsende wurde mit Genehmigung der alliierten Militärregierung die GEDOK als Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfreunde e. V. 1948 in Hamburg neu gegründet. Fördermitglieder waren fortan auch Männer. Nach und nach nahmen in den alten Bundesländern regionale Gruppen ihre Arbeit wieder auf oder gründeten sich neu, um entsprechend dem Gründungsziel das künstlerische Talent von Frauen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Lebens- und Arbeitssituation zu fördern. Nach dem Ende der DDR und dem Ende umfangreicher Kunst- und Kulturförderung schlossen sich diesem Anliegen in den neuen Bundesländern Gruppen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Mitteldeutschland an. Nahezu 3.000 Mitglieder gehören gegenwärtig zu diesem europaweit einzigartigen, alle künstlerischen Disziplinen einschließenden Künstlerinnenverband.

Dass in der Bundesrepublik die berufliche Gleichstellung der Frau ab 1977 – ungeachtet der tatsächlichen Verhältnisse – als allgemein erreicht dargestellt wird, hat mit den durch die westdeutsche Frauenbewegung erkämpften Rechten zu tun. Die Schaffung von Verlagen, Zeitschriften, Bühnen und Galerien speziell für Frauen stärkte das Selbstbewusstsein von Künstlerinnen. Teil dieser Bewegung war die GEDOK, insbesondere durch ihre Arbeit auf kultur- und frauenpolitischer Ebene. Als Gründungsmitglied der 1972 neu strukturierten IGBK (Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste) setzt sie sich ein für die Förderung internationaler Kooperationen. Die GEDOK wird 1980 Gründungsmitglied des Kunstfonds e. V. und 1983 des Deutschen Kunstrats. Seitdem gehört sie zum Deutschen Kulturrat, ist in verschiedenen seiner Fachausschüsse sowie im Deutschen Musikrat und in der Deutschen Literaturkonferenz aktiv. Ebenso vertritt sie die Interessen ihrer Mitglieder in der VG-Bildkunst, der Künstlersozialkasse und im Deutschen Frauenrat.

In den letzten Jahrzehnten ist zwar viel erreicht worden, aber Ungerechtigkeiten wie Gender-Show-Gap und Gender-Pay-Gap belegen den Mangel an wirklicher Gleichberechtigung. Ohne – ehrenamtliche! – Gremienarbeit in Kooperation mit anderen Verbänden wären weder Ausstellungsvergütungen noch hochrangige Preisvergaben an Künstlerinnen umgesetzt worden. Auch hier macht sich die GEDOK stark. Bestes Beispiel ist der immerwährende Kampf um die Vergabe des Gabriele Münter Preises. Nur in der Bündelung der Kräfte von GEDOK, dem Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) und dem Deutschen Künstlerbund konnte erreicht werden, dass nach langer Unterbrechung 2025 die 8. Vergabe des Preises in der Akademie der Künste und die Ausstellung im Museum Gunzenhauser in Chemnitz stattfand und erstmals vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) unter Beteiligung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ gefördert wurde.

Eigene Preise vergibt die GEDOK seit 1968 für herausragendes literarisches, kompositorisches, bildkünstlerisches Schaffen sowie im angewandten Bereich. Musikwettbewerbe würdigen Interpretinnen. Autorinnen wie Hilde Domin (1968), Elke Erb (1995), Herta Müller (1998), Jenny Erpenbeck und Kerstin Hensel (2004), Monika Maron (2017) oder Nora Gomringer (2024) waren Preisträgerinnen. Ausstellungsprojekte an repräsentativen Orten wie in der Bundeskunsthalle Bonn (»Perplex«, 2001) oder im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (»Künste ∙ Frauen ∙ Netzwerk«, 2026) verschaffen bildenden und angewandten Künstlerinnen Beachtung. Ohne Sichtbarkeit gibt es keine öffentliche Aufmerksamkeit – trotz Social Media eine Riesenaufgabe in unserer immer noch patriarchalisch geprägten Gesellschaft.

Der Weg der GEDOK durch das Jahrhundert war voller Herausforderungen, Veränderungen, dabei nicht ohne Erfolg. Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht antidemokratischer Strömungen ist sich der Verband seiner Verantwortung bewusst. So heißt es im Leitbild: »Die Mitglieder der GEDOK vertreten die Freiheit des Wortes und der Kunst im Sinne des Art. 5 Grundgesetz. Sie wirken gegen jedwede Form von Hass und Gewalt, für Diversität, für eine einige Welt und eine in Frieden lebende Menschheit. Die Mitglieder der GEDOK distanzieren sich entschieden von allen, die Nationalismus, politischen und religiösen Extremismus, Antisemitismus, Homophobie, Frauen- oder Fremdenfeindlichkeit propagieren.«

Fazit: Die selbstverständliche Gleichstellung ist längst nicht erreicht. Angesichts des wachsenden gesellschaftlichen Drucks ist ein regelrechter Backlash zu beobachten. Gerade deshalb müssen Kunst und Kultur als Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft in ihren Strukturen stabilisiert werden. Der GEDOK-Bundesverband gehört dazu. Dringend ist die öffentliche Förderung einer Bundesgeschäftsstelle. Im Unterschied zu den anderen großen Künstlerverbänden fehlt diese bisher. Sie wäre sowohl Würdigung der ehrenamtlichen Arbeit als auch Voraussetzung für zukünftige geschlechtergerechte Kulturarbeit.

Mehr dazu

Festschrift – 100 Jahre GEDOK e. V. (Hg. GEDOK e. V.), erhältlich über den Bundesverband, gedok@gedok.de

Künste · Frauen · Netzwerk (Hg. GEDOK e. V.), projektverlag, Bochum/Freiburg 2025

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 3/2026