Am 20. März sollen alle Coronaauflagen fallen. Keine Beschränkung mehr beim Besuch eines Theaters, eines Museums, eines Kinos, einer Bibliothek.

Ist Corona endlich besiegt, kommt jetzt endlich wieder unser altes Leben zurück?

Wohl kaum. Corona wütet weiter nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt. Jeden Tag kann sich eine noch ansteckendere Mutation entwickeln.

Pi, epsilon, rho, zeta, sigma, das griechische Alphabet hat noch einige Buchstaben zu bieten. Und spätestens im Herbst kommen die Einschränkungen wohl wieder.

Für den Kulturbereich bedeutet das, es kann noch keine Entwarnung gegeben werden, so gerne wir sie auch hören wollen. Nach zwei Jahren Pandemie steht der Kulturbereich durchlöchert da.

Einige, gerade auch die Soloselbständigen, haben viel, manche alles verloren. Einige Branchen, besonders die Veranstalter von Kulturevents, stehen nach wie vor am Abgrund. Andere haben die Krise gut, manche sogar sehr gut überstanden.

Der Computerspielebereich, die Musikwirtschaft und die Verlagswirtschaft melden Rekordgewinne in der Krise. Dass trotzdem die Buchmesse in Leipzig, die am 17. März starten sollte, zum dritten Mal abgesagt werden musste, ist zutiefst bedauerlich und hätte verhindert werden können.

In der Pandemie ist mehr als deutlich geworden, dass der Kulturbereich kleinteilig, differenziert, kreativ und extrem verletzlich ist. Egal wie sich die Seuche weiterentwickelt, wir müssen unsere Lehren ziehen und jetzt handeln.

Es ist gut, dass die Kulturministerkonferenz und das Bundesarbeitsministerium jetzt bei der Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Absicherung der Künstlerinnen und Künstler Dampf machen.

Es ist gut, dass die Hilfsprogramme, ob NEUSTART KULTUR oder der Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen, weitergeführt werden.

Aber all das wird nicht reichen, die Not ist oft nicht erst durch Corona entstanden, sondern sie ist durch Corona sichtbar und vielfach existenzvernichtend geworden.

Und auch das Kulturpublikum ist noch zurückhaltend, was den Besuch von Kulturveranstaltungen angeht. Wir werden um es werben müssen, von selbst werden viele nicht zurückkommen.

Wir brauchen langfristige Maßnahmen, die differenziert auf die unterschiedlichen Bedarfe des Kulturbereichs ausgerichtet sind und innovativ sollten sie auch noch sein.

Was wir brauchen, ist eine nachhaltige EXIT-Strategie, um aus der Pandemie aussteigen zu können.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 03/22.