Seit 1992 bildet die Hochschule für Wirtschaft und Technik in Berlin Restauratoren und Grabungstechniker mit bundesweit einzigartigen Spezialisierungen aus. Für die Arbeit von Museen, Landesdenkmalämtern, Archiven und vielen weiteren Institutionen sind die Absolventen unverzichtbar. Nach der Einstellung vergleichbarer Studiengänge in Erfurt, München, Mainz und Potsdam steht Deutschland nun vor dem vollständigen Verlust dieser hoch spezialisierten Ausbildung.

Was für ein Know-how, was für eine Expertise herrscht in den archäologischen Restaurierungswerkstätten in den Museen und Landesämtern! Komplizierte Objekte, die ein hohes Maß an Expertise benötigen, werden fachkundig untersucht, konserviert und für Ausstellungszwecke restauriert. Die Medien sind voll von Berichten, und in den Museen staunen die Besucher über die Entdeckungen. Landauf und landab sind die Ausgrabungsteams unterwegs. Wie ein buntes Band ziehen sich gerade die Ausgrabungsareale entlang der großen Stromleitungstrassen von Norden nach Süden durch die Republik. Mit modernsten Techniken werden die Befunde an den zahlreichen anderen Ausgrabungsstellen aufgenommen und dokumentiert.

Genaueste digitale Vermessung, Laserscan und vieles andere gehören heute standardmäßig zum Programm der Dokumentation. Grabungstechnik und Restaurierung sind heute wissenschaftliche Ausbildungen, ohne die der in den letzten Jahren entwickelte hohe technische Standard in diesen Bereichen nicht gehalten werden kann. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Berlin ist in diesem Bereich die erste und inzwischen einzige größere Ausbildungsstätte. Seit 1992 werden hier Restauratorinnen und Restauratoren ausgebildet, die sich auf den Erhalt von archäologischem Kulturgut und auf Grabungstechnik spezialisiert haben. Die Studiengänge genießen im In- und Ausland höchstes Ansehen. Jedes Jahr bewerben sich viel mehr qualifizierte junge Menschen, als Studienplätze zur Verfügung stehen.

Und dann diese Meldung: Die Hochschule beabsichtigt, den Studiengang einzustellen. Als Grund dafür werden die Sparauflagen angeführt, die das Land Berlin den Hochschulen auferlegt hat. Tatsächlich sind die Summen, die insgesamt an der Hochschule eingespart werden sollen, gewaltig. Doch ist es richtig, einen einzigartigen und erfolgreichen Studiengang einzustellen? Ist es zudem hochschulpolitisch sinnvoll, ein Fach, das der HTW tatsächlich eine Alleinstellung garantiert, zu opfern, während Studiengänge, die auch an zahlreichen anderen Universitäten und Hochschulen gelehrt werden, ohne Einschränkungen fortbestehen?

Mit der Schließung des Studiengangs droht der Wegfall eines einzigartigen Kompetenzzentrums für den Erhalt des Kulturerbes. Dieses Zentrum ist ein Ort der Forschung, der Vernetzung und der Internationalisierung. Die Forschungsleistung des Faches an der HTW ist herausragend, die Ergebnisse werden weit rezipiert. Die Restaurierungswerkstätten des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, die Werkstätten in Halle, in Hannover und an vielen anderen Orten sind inzwischen von den Absolventinnen und Absolventen aus Berlin geprägt. Die Grabungstechniker und Grabungstechnikerinnen werden besonders gesucht und finden alle unmittelbar im Anschluss an ihre Ausbildung eine Tätigkeit, ja, meistens wird schon vor der letzten Prüfung versucht, die immer gut qualifizierten Nachwuchskräfte zu binden. Nach der Schließung vergleichbarer Studiengänge in Erfurt, München oder Mainz würde der Wegfall von Berlin die Archäologie in Deutschland um Jahre zurückwerfen. Die vielen guten Ergebnisse, die auf so großes Interesse in der Öffentlichkeit stoßen, sind nur möglich, da alle Tätigkeitsfelder in der Archäologie inzwischen von gut ausgebildeten Spezialisten besetzt werden können.

Der Aufschrei über die beabsichtigten Sparpläne ist groß. Zahlreiche archäologische Fachämter, die Museen der Berliner Museumsinsel, der Deutsche Verband für Archäologie und viele andere archäologische und restauratorische Fachverbände und das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) haben eindringliche Appelle an die Universitätsgremien und das Land Berlin gerichtet.

Der Studiengang hat selbst bereits qualifizierte Vorschläge gemacht, um noch mehr Studierenden die Aufnahme zu ermöglichen. Landesämter und Museen sind bereit, die HTW bei der Durchführung der Vorpraktika, mit der Bereitstellung von aktuellen Funden für Abschlussarbeiten und bei der Betreuung der Arbeiten weiterhin intensiv zu unterstützen und die Zusammenarbeit auszubauen. Das Land Berlin hat vor wenigen Monaten das neue archäologische Haus »Petri-Berlin. Entdecke die Archäologie« eröffnet. Hier sind aktive Einblicke in die Tätigkeit der Restauratorinnen und Restauratoren und in die Arbeitsweise auf Ausgrabungen möglich. Auch hier kann die Kooperation mit der HTW weiter intensiviert werden.

Die HTW darf für die Archäologie nicht ausfallen. Sie ist dazu in den letzten Jahren auch dank des großen Engagements der Lehrenden ein zu wichtiger Player geworden, der ein Alleinstellungsmerkmal besitzt. Ohne die HTW wird die Sicherung unseres Kulturguts und damit auch die Erfüllung der Erhaltungsverpflichtungen aus den Denkmalschutzgesetzen erheblich schwieriger. Die Wissenschaftslandschaft in Deutschland steht vor großen Umbrüchen. Kooperationen und Absprachen, auch zwischen Universitäten und Hochschulen, sind nötig und sinnvoll. Es muss nicht überall alles angeboten werden. Doch etwas zu opfern, das einzigartig ist und zu Wissensverlust und zu einer kulturellen Verarmung der Gesellschaft führt, ist in dieser Situation der falsche Weg.

Vorabdruck aus »Archäologie in Deutschland«, 1/2026

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 12/2025.