Unter den Schuhen knirscht es hörbar beim Herabsteigen in den Keller, es wird dunkler und deutlich kühler, es riecht feucht und erdig. Der Weg zum historischen Ritualbad des Jüdischen Museums Franken in Fürth ist abenteuerlich. Der Kaufmann und Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Fürth Hirsch Fromm hatte es 1702 errichtet, als er ein stattliches Wohn- und Geschäftshaus mit einem prachtvoll ausgestatteten Repräsentationssaal im zweiten Stock erbauen ließ. Andere beeindruckende Spuren des Hauses befinden sich in den historischen Anbauten aus dem 18. und 19. Jahrhundert. So etwa zwei historische Laubhütten, beide mit intakten Kassettendecken. Eines von ihnen ist mit der originalen aufklappbaren Dachkonstruktion ausgestattet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war das Anwesen im Eigentum verschiedener jüdischer Familien. Danach verkam es zusehends. Erst Ende der 1990er Jahre wurde das im Verfall begriffene Baudenkmal aufwändig restauriert und 1999 zum Hauptsitz des Jüdischen Museums Franken eröffnet.
Das Jüdische Museum Franken umfasst mit Fürth insgesamt vier Häuser, drei weitere Museen wurden in historischen Baudenkmälern aus dem 17., 18. und frühen 20. Jahrhundert eröffnet. 1996 wurde das erste Haus des Jüdischen Museums Franken in einer ehemaligen Synagoge aus dem 16. Jahrhundert mit angrenzendem Rabbiner- und Vorsängerhaus in Schnaittach eingerichtet. 2004 eröffnete das Jüdische Museum Franken die Dependance »Krautheimer Krippe« in einer 1912 errichteten Säuglingskrippe, die die jüdische Kaufmannsfamilie Krautheimer der Stadt Fürth stiftete; heute dient sie zusätzlich als Schulgebäude und wird im Rahmen pädagogischer Kooperationen zwischen Schule und Museum genutzt. Das Jüdische Museum Franken errichtete 2015 in Schwabach ein weiteres Museum im ehemaligen Wohnhaus des Kaufmanns Moses Löw Koppel. Dort wurde um 2000 ein Kleinod europäischer jüdischer Kultur entdeckt: eine historische Sukka (Laubhütte) mit symbolreichen Wandfresken aus dem späten 18. Jahrhundert. Zusammen mit den umfangreichen Sammlungen von Alltagsgegenständen sowie historischen und zeitgenössischen Judaika vermitteln die Museen ein plastisches Bild des jüdischen Lebens in Franken – vom städtischen bis hin zum ländlichen Milieu, von seinen Anfängen bis zur Gegenwart. 2018 erweiterte das Jüdische Museum Franken das 1999 eröffnete Museum in Fürth mit einem Neubau, den die Architektengemeinschaft Gatz, Kuntz und Manz entwarfen. Dort wurden bis dahin fehlende Funktionsräume eingerichtet: eine Studienbibliothek, ein Veranstaltungs- und Wechselausstellungssaal, Büro- und Depoträume sowie ein großzügiger Empfangsraum mit Buchhandlung, Café und einem Museumsgarten.
Die Gründung eines Jüdischen Museums in Mittelfranken wurde 1989 auf Initiative des Bezirks Mittelfranken auf den Tagesplan gebracht, in einer Zeit, in der sich viele deutsche Städte und Kommunen nach der Shoah erstmals mit der jüdischen Geschichte und Kultur ihrer Region befassten. Seit 1990 wird das Museum von einem Verein getragen, dem der Bezirk Mittelfranken, die Stadt Fürth, der Landkreis Nürnberger Land, der Markt Schnaittach sowie die Stadt Schwabach angehören.
Jüdische Museen der Nachkriegszeit dienen im Vergleich zu anderen kulturhistorischen Museen häufiger als Projektionsflächen für jüdische wie nichtjüdische Wünsche, Romantisierungen, Normierungen und relativierende Geschichtsdeutungen. Jüdische Museen müssen daher immer wieder als Orte konflikthafter Auseinandersetzung mit der kulturellen und politischen Gegenwart agieren, um als Räume zu fungieren, in denen Identitäten und Narrative produktiv in Frage gestellt werden können. Auch einige Ausstellungen und Projekte des Jüdischen Museums Franken haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Diskurse manchmal Konflikte brauchen.
Wer sich mit jüdischen Themen nach der Shoah öffentlich auseinandersetzt, bewegt sich auf emotionalem Terrain. Allein um die Errichtung Jüdischer Museen im deutschsprachigen Raum gab es große Konflikte um konzeptionelle Inhalte, Deutungshoheiten, Egos und Emotionen. Mit manchen Themen und mancher Wechselausstellung verhält es sich bis heute nicht anders. Daher zeigt das Jüdische Museum Franken in Fürth anlässlich seines 25-jährigen Bestehens eine Ausstellungsreihe mit Interventionen zu Ausstellungen und Themen, die für viel Wirbel gesorgt und das Museum und sein Umfeld nachhaltig geprägt haben. Mit »Shitstorm. Meinungsstreit im Museum« beleuchtete das Jüdische Museum Franken in Fürth zunächst die Auseinandersetzungen um Deutungshoheiten über Darstellung jüdischer Geschichte und Kultur in einem Rückblick auf die 2002 präsentierte satirische Ausstellung »Feinkost Adam« von der jüdischen Künstlerin Anna Adam. In der zweiten und letzten Intervention, die am 22. Juni 2025 eröffnet wird, fokussiert das Museum auf die Themen Raub, Restitution und Mythen der Toleranz.
Aktuelle Wechselausstellungen im Jüdischen Museum Franken:
- Sehnsucht nach Jiddischkeit (13.10.24-07.09.25) im Jüdischen Museum Franken in Schwabach
- Meinungsstreit im Museum – Von Raub, Restitution und Mythen der Toleranz (24.06.25-19.04.2026) im Jüdischen Museum Franken in Fürth
- Jüdisches Landleben im Jüdischen Museum Franken in Schnaittach