In der kulturpolitischen Debatte sind sich die Beteiligten in der Regel einig, dass die Leistungen von Museen für die Gesellschaft von unschätzbarem Wert sind. Sie vermitteln konkretes Wissen und bereichern den Diskurs zu gesellschaftlichen und ökologischen Themen. Museen bieten einzigartige kulturelle und ästhetische Erlebnisse, tragen zur Entwicklung kreativer Fähigkeiten bei und wirken sich sogar positiv auf unser psychisches und seelisches Wohlbefinden aus. Nicht zuletzt deshalb verfügen sie über enormes Sozialkapital in Form von höchsten Vertrauenswerten, sowohl bei Besuchenden als auch bei Nicht-Besuchenden, wie eine entsprechende Studie des Instituts für Museumsforschung im letzten Jahr gezeigt hat.
Die »Softpower« der Museen, ihr substanzieller Beitrag zu gesellschaftlichem Zusammenhalt, individuellem Bildungszuwachs und persönlicher Resilienz, ist Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Allerdings sind die Ergebnisse komplex, da sich die Wirkmechanismen nicht immer quantifizieren lassen und die Effekte vielfach erst mit zeitlicher Verzögerung eintreten. In der breiteren öffentlichen Diskussion wird der »Wert« eines Museums daher gerne auf den unmittelbaren »Nutzen« reduziert, der sich möglichst in messbaren Kennzahlen ausdrücken soll. Dabei spielen ökonomische Messgrößen eine wichtige Rolle, zumal in Zeiten knapper Kassen alle Ausgaben der öffentlichen Hand besonders kritisch auf ihren »Return on Investment« und ihre Leistungsfähigkeit überprüft werden.
Auch wir sind der Meinung, dass eine ganzheitliche Debatte neben den vielfältigen soziokulturellen Wirkungen durchaus auch den ökonomischen Fußabdruck von Museen berücksichtigen kann. Eine Studie des Instituts für Museumsforschung untersucht deshalb erstmals den konkreten »Return on Investment« von Museen in Deutschland. Dabei werden die Effekte ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten hinsichtlich Wertschöpfung, Einkommen, Kaufkraft, Beschäftigung und finanziellen Rückflüssen an die öffentliche Hand sowie die entsprechenden Effekte aus den Ausgaben touristischer Besuchender untersucht. Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung, die gemeinsam mit der ICG Integrated Consulting Group zwischen Herbst 2024 und Frühjahr 2025 durchgeführt wurde. Dabei wurden Daten zur Einnahmen- und Ausgabenstruktur für das Haushaltsjahr 2023 erhoben. Basierend auf der Input-Output-Methode wurden daraus die direkten, indirekten und induzierten Effekte der wirtschaftlichen Aktivitäten von Museen sowie die Effekte touristischer Ausgaben von Museumsbesuchenden berechnet.
Die wichtigsten Ergebnisse belegen eindrucksvoll, dass Museen auch wirtschaftlich ein relevanter Faktor sind:
- Museen kosten nichts, sie zahlen sich aus: 9,4 Milliarden Euro betrug der Beitrag der rund 7.000 Museen in Deutschland zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2023.
- Den von Museen ausgelösten Wertschöpfungseffekten standen Investitionen der öffentlichen Hand in Höhe von rund 5,6 Milliarden Euro gegenüber. Jeder von der öffentlichen Hand in Museen investierte Euro ermöglichte im Jahr 2023 eine Wertschöpfung von rund 1,70 Euro.
- Der fiskalische Beitrag der Museen betrug 2023 3,7 Milliarden Euro. Werden die Investitionen der öffentlichen Hand dazu ins Verhältnis gesetzt, flossen zwei Drittel der investierten Mittel durch Fiskaleffekte wieder an die öffentliche Hand zurück.
- Im Jahr 2023 wurden durch Aktivitäten von Museen 106.000 feste Arbeitsplätze (Vollzeitäquivalente) generiert. Die Impulse, die Museen als touristische Ziele setzen, sicherten zusätzlich rund 180.000 Arbeitsplätze.
- Jeder von der öffentlichen Hand in Museen investierte Euro schlug sich nicht nur bei den Museen als Wertschöpfung nieder, sondern führte zusätzlich dazu, dass touristische Besuche weitere 2,40 Euro für Dienstleistungen, Übernachtungen und Mobilität rund um ihren Ausstellungsbesuch ausgaben.
- Aufgrund der touristischen Impulse durch attraktive Museumsangebote verzeichneten die öffentlichen Haushalte im Jahr 2023 Rückflüsse von Steuern und Sozialabgaben in Höhe von 5,7 Milliarden Euro. Das entsprach in etwa der Summe, die die öffentliche Hand in Museen investierte.
Diese Zahlen belegen eindrucksvoll: Egal, ob die Museen groß oder klein sind oder in privater oder öffentlicher Trägerschaft stehen, sie sind keine Empfänger von Subventionen. Die Summen, die die öffentliche Hand in Form von Zuschüssen, Programmförderung etc. in ihre Arbeit investiert, machen sie mehr als wett. Bei der Wertschöpfung sind es rund 1,70 Euro und bei den Fiskaleffekten 66 Prozent »Return on Investment«. Und bei den touristischen Wertschöpfungseffekten sind es noch einmal 2,40 Euro an zusätzlichen Ausgaben, die angeregt werden.
Die Studie hat gezeigt, dass sich Investitionen in den Museumsbereich nicht nur langfristig in Form von kulturellem und sozialem Kapital auszahlen, sondern auch kurzfristig einen ganz konkreten und messbaren ökonomischen Mehrwert generieren. Dabei ist es uns wichtig zu betonen, dass wir die vorgelegte Studie und ihre Ergebnisse als Ergänzung und Bereicherung der Debatte verstehen und das soziale, gesellschaftliche und kulturelle Kapital von Museen umso zentraler erachten. Auf diese Weise erweitern wir die Argumentationsbasis der »Softpower« von Museen um die volkswirtschaftliche Dimension, für die nun erstmals eine empirische Grundlage für Deutschland vorliegt. Man könnte es auch so zusammenfassen: Museen sind von unschätzbarem Wert – und sie zahlen sich aus!
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Rahemipour, P. & Grotz, K. (2025). Der ökonomische Fußabdruck von Museen. Das sichtbare Kapital. Studie des Instituts für Museumsforschung, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin zu den ökonomischen Wirkungen der Museumslandschaft in Deutschland. Zenodo. doi.org/10.5281/zenodo.15740537
Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 10/2025.