Im Star Trek Universum gibt es die Qowat Milat, einen romulanischen Orden von Kriegernonnen. Der fiktive Orden besteht ausschließlich aus Frauen und folgt dem Grundsatz der »absoluten Offenheit«, also einer radikalen Ehrlichkeit ohne Verschweigen oder taktisches Zurückhalten von Gefühlen und Gedanken. Ein zentrales Prinzip der Qowat Milat ist die »aussichtslose Sache«. Sie geben sich einer Aufgabe hin, die von Natur aus nahezu unmöglich erscheint oder die sonst niemand übernehmen würde. So ein bisschen wie in den Filmen der Mission Impossible Reihe, auch wenn die Qowat Milat Ehre in einer aussichtslosen Sache suchen, während Mission Impossible das scheinbar Unmögliche eher als Spannungselement nutzt. Beides aber ist Hollywood, Traumwelt, modernes Märchen. Aber Hollywood hat ein feines Gespür für die Wünsche der Menschen.

Oder wünschen Sie sich nicht gerade heute auch, Sie wären eine Qowat Milat Schwester oder zumindest Ethan Hunt und könnten die überall sichtbaren Probleme in der Welt beseitigen. Letztlich schauen wir der immer bedrohlicher werdenden Klimakatastrophe beständig tatenlos zu. Auch bei der Eindämmung der Kriegsgefahr in Europa fällt offensichtlich nur mehr Ausrüstung als Lösung ein. Und unser Land rückt in einer enormen Geschwindigkeit immer mehr nach Rechtsaußen. Aber eine wirklich erfolgversprechende Idee, wie wir diesen Trend stoppen können, haben wir, wenn wir es auch einmal mit »radikaler Ehrlichkeit« versuchen, nicht.

Unsere Unehrlichkeit mit uns selbst ist mit Sicherheit mit dafür verantwortlich, dass die Klimakatastrophe immer heftiger über uns hereinbricht. Das ist eine Katastrophe mit Ansage, jeder, der wollte, hat sie über Jahrzehnte herankommen sehen. Anders verhält es sich beim Thema Krieg und Frieden. Hier war zumindest ich im festen Glauben, dass wir vernünftige Fundamente geschaffen hätten, die kriegerische Auseinandersetzung zumindest in Europa verhindern würden. Weit gefehlt. Und auch das Erstarken der Rechtsextremen in Deutschland hätte ich nach den geschichtlichen Erfahrungen in Deutschland für unwahrscheinlich gehalten. Doch gerade hier hätte sicherlich mehr radikale Ehrlichkeit geholfen, denn ein einfaches Zurufen, »Das schaffen wir«, war offensichtlich zu wenig.

Was jetzt bleibt, ist, dass wir eine vermeintlich »aussichtlose Sache« im Sinne der Qowat Milat zu unserer Sache machen: Kampf für Frieden, Klimaschutz und gegen Extremismus. Ja, die Zeiten sind herausfordernd, wenn der letzte Trost nur noch aus Hollywood kommt.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 9/2025.