Kulturfördervereine führen in der kulturpolitischen Aufmerksamkeit eher ein Schattendasein. Höchste Zeit, einmal den Scheinwerfer auf sie zu richten: Über drei Millionen Mitglieder engagieren sich in ganz Deutschland in mehr als 20.000 Kulturfördervereinen und Freundeskreisen für den Erhalt und die weitere Entwicklung der Kulturlandschaft. Sie unterstützen, wo sie nur können, die Arbeit »ihrer« Einrichtungen aller Sparten. So sammeln sie Fördergelder, vergeben Stipendien an den künstlerischen Nachwuchs, werben um Besucherinnen und Besucher oder packen auch selbst mit an, um Baudenkmäler zu retten. Über 90 Prozent der Vereine und Freundeskreise arbeiten rein ehrenamtlich. Kurz gesagt: Sie sind ein unverzichtbarer Teil der Zivilgesellschaft und ermöglichen Teilhabe an Kunst und Kultur über alle Generationen hinweg.

Diese enorme Arbeit stärkt der Dachverband der Kulturfördervereine in Deutschland e. V. (DAKU). In Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und neuerdings auch in Sachsen-Anhalt bündeln eigenständige Landesnetzwerke die Arbeit vor Ort und tauschen sich in der Länderallianz im DAKU über Landesgrenzen hinweg aus. In diesem Jahr werden weitere in Sachsen und Brandenburg gebildet.

Natürlich schließen sich die Vereine zusammen, um miteinander und voneinander zu lernen. Wie sehr sie und die Landesnetzwerke sich aber auch der Tatsache bewusst sind, dass sie Verantwortung für die Freiheit und Vielfalt von Kunst und Kultur tragen, zeigt das Beispiel des jüngsten Landesnetzwerks der Kulturfördervereine Sachsen-Anhalt. Auch dort will das Landesnetzwerk dem zivilgesellschaftlichen Engagement für den Erhalt und die Förderung von Kunst und Kultur eine stärkere Stimme gegenüber Politik und Gesellschaft verleihen, Fürsprecher und Ansprechpartner werden. Initiiert wurde der Aufbau des Netzwerks von der Landesarbeitsgemeinschaft Bürgerliches Engagement im Kulturbereich (LAG BEK), der LAGFA Sachsen-Anhalt und dem DAKU.

Doch schnell wuchs unter den Vereinen auch das Bewusstsein dafür, dass die für September 2026 anstehenden Landtagswahlen einschneidende Änderungen in Kunst und Kultur bringen könnten. Also setzte das Landesnetzwerk bereits zu seiner Gründung am 23. Januar 2026 mit seinen Leitlinien ein deutliches Ausrufezeichen: In Vertretung der Kulturfördervereine und Freundeskreise tritt es u. a. für die Freiheit, den Erhalt und die weitere Entwicklung aller künstlerischen und kulturellen Ausdrucksformen und die Fortentwicklung der Erinnerungskultur im Land ein. Es sieht im Engagement der vielen Mitglieder der Kulturfördervereine und Freundeskreise einen unverzichtbaren Beitrag zu einer aktiven Zivilgesellschaft und gelebten Demokratie. Mit ihnen bekennt es sich zu den Grundrechten und Werten des Grundgesetzes, besonders zur Unantastbarkeit der Würde des Menschen, zur Freiheit der Kunst und zum Recht auf freie Meinungsäußerung. Es steht für gesellschaftlichen Zusammenhalt, engagierten Dialog und Teilhabe für alle.

Die Wahlprüfsteine, die das Landesnetzwerk vor Kurzem an die zur Landtagswahl antretenden Parteien verschickt hat, spiegeln den Geist dieser Leitlinien wider. Nur einige Beispiele: Welche besonderen Akzente in der Kulturpolitik wollen Sie setzen? Wie wollen Sie die Kulturszene einschließlich der Kulturfördervereine gegen Angriffe auf die Kunstfreiheit schützen? Teilen Sie das in den Leitlinien des Landesnetzwerks der Kulturfördervereine Sachsen-Anhalt niedergelegte Bekenntnis zu einer aktiven Zivilgesellschaft und einer gelebten Demokratie auf der Basis der Grundrechte und Werte des Grundgesetzes?

Die Antworten der Parteien werden ausgewertet und veröffentlicht. Auch sollen Handlungsempfehlungen für eine künftige Landesregierung ausgearbeitet werden. Das Landesnetzwerk der Kulturfördervereine in Mecklenburg-Vorpommern folgt diesem Beispiel aus Sachsen-Anhalt und hat ebenfalls Wahlprüfsteine versandt.

In Sachsen-Anhalt wird sich das Landesnetzwerk im Vorfeld der Landtagswahl weiter in den öffentlichen Diskurs einmischen. Zuletzt hat es sich den Warnungen von 27 Kulturinstitutionen in Sachsen-Anhalt vor einer nationalistisch ausgerichteten Kulturpolitik, wie sie das AfD-Regierungsprogramm propagiert, angeschlossen und damit deutlich gemacht: Es wird nur hinter einer Kulturpolitik stehen, die auf der Eigenständigkeit von Kunst und Kultur und ihrer Entwicklung nach eigenen Grundsätzen und eigenem Selbstverständnis beruht. Ein nationalistisch-rückwärts geprägter Ansatz, die Forderung nach identitätsfördernden Programmen, eine unverhohlene Abneigung gegen kreative Freiräume und die angedrohte Knebelung von missliebigen Kultureinrichtungen ist damit nicht vereinbar. Sie haben mit den Grundwerten des Landesnetzwerks nichts zu tun.

»Zusammenhalt in Vielfalt« – darum geht es. Wenn die Kultur in ihrer Bedeutung für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und die Identität eines Landes gefährdet ist, dann müssen alle ihre Freundinnen und Freunde aus dem Schatten ins Licht treten.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 5-6/2026