Für diese Ausgabe haben wir alle Kulturministerinnen und -minister der an das Grüne Band anrainenden Bundesländer gebeten, in einem kurzen Text die Frage zu beantworten: Welche Bedeutung hat das Grüne Band als Kulturraum für Ihr Bundesland und die dort lebenden Menschen? Vier Ministerinnen und Minister haben uns geantwortet.
Von den Elbauen im Landesnorden bis Benneckenstein im Harz verläuft das Grüne Band im Westen Sachsen-Anhalts entlang der ehemaligen Grenze zwischen Bundesrepublik Deutschland und Deutscher Demokratischer Republik. So vielfältig wie das Land zieht es sich auf fast 1.400 km durch Deutschland und 12.500 km durch ganz Europa. Was einst den Kontinent entlang des »Eisernen Vorhangs« durchriss, verbindet heute wortwörtlich ein geeintes Europa. Den menschenfeindlichen Todesstreifen des DDR-Unrechtsregimes verwandelt das Grüne Band in eine Lebenslinie und ein nationales Naturmonument.
Dieses Band verbindet damit nicht allein schützenswerte Naturräume, es verknüpft auch die Geschichte mit unserer Gegenwart: Damit schafft das Grüne Band einen einzigartigen Raum europäischer Erinnerungskultur. Zu einem Zeitpunkt, an dem unter 40-Jährige keine eigenen Erinnerungen mehr an die Zeit der Deutschen Teilung haben können, ist seine Bedeutung für kommende Generationen kaum hoch genug einzuschätzen.
Das Grüne Band reiht eine Vielzahl bemerkenswerter Orte aneinander. Einer von ihnen ist Stapelburg bei Wernigerode. Hier im Harz fand im November 1989 die erste Grenzöffnung jenseits von Berlin statt, hier brach sich die Freiheit Bahn. Bis dato ein wissenschaftliches Desiderat, legt das Institut für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) nun seine erste Publikation zu diesem geschichtsträchtigen Ort vor. »Vom Grenzraum zum Grünen Band. Interdisziplinäre Entdeckungen im Harzort Stapelburg« ist das Ergebnis mehrjähriger Forschungen unterschiedlicher Disziplinen. Insgesamt zehn Studien aus den Bereichen Landesgeschichte, Baugeschichte, Denkmalpflege, Kunstgeschichte, Archäologie und Biologie leisten lokale Tiefenbohrungen. Die Betrachtungen suchen nach der Geschichte des Ortes, forschen dessen Ökologie nach oder berichten von Grabungen zum Alltag dort stationierter Grenztruppen. Entstanden ist ein lesenswerter Band voller Perspektivwechsel, ein wertvoller Beitrag zur Reflexion unserer jüngeren und bisweilen bereits verblüffend weit entfernten Geschichte. Wer die vielen Dimensionen des Grünen Bandes besser verstehen will, dem sei der Blick auf Stapelburg und ein Ortsbesuch sehr ans Herz gelegt.