Für diese Ausgabe haben wir alle Kulturministerinnen und -minister der an das Grüne Band anrainenden Bundesländer gebeten, in einem kurzen Text die Frage zu beantworten: Welche Bedeutung hat das Grüne Band als Kulturraum für Ihr Bundesland und die dort lebenden Menschen? Vier Ministerinnen und Minister haben uns geantwortet.

Das Grüne Band als Denkmal der deutschen Teilung von 1945 bis 1989 ist einerseits ein wertvoller Naturraum. Es ist aber auch lebendiges Zeugnis deutscher Geschichte und ein Symbol für die wiedergewonnene Freiheit und Einheit der Deutschen. Entlang der früheren innerdeutschen Grenze erstreckt sich heute ein grüner Streifen, der Natur, Kultur und Erinnerung miteinander verbindet. In Niedersachsen zieht sich das Grüne Band durch unterschiedliche Kultur- und Naturlandschaften. Es steht also nicht nur für ökologische Vielfalt, sondern auch für kulturelle Identität.

Hier treffen Geschichte und Geschichten aufeinander: von Trennung und Überwindung, von Menschen, deren Alltag durch die Grenze geprägt war. Zahlreiche Denkmale und Erinnerungsorte machen diese Vergangenheit sichtbar. Seit der Rückkehr des Amtes Neuhaus in den Landkreis Lüneburg 1993 gehört auch ein Abschnitt auf früherem DDR-Gebiet zu Niedersachsen. Davon zeugen die erhaltenen Wachtürme als stille Mahnmale des brutalen Grenzregimes. Sie erinnern an die Zeit, als die Grenze nicht nur Landschaften, sondern auch Leben teilte. Ebenso ist die Dömitzer Eisenbahnbrücke als technisches Denkmal und Mahnmal der deutschen Teilung heute mit seinem Skywalk ein Erlebnis- und Lernort für Natur- und Kulturinteressierte: Hier werden Geschichte, Technik, Natur und politische Bildung anschaulich miteinander verbunden. Das von Thüringen und Niedersachsen gemeinsam finanzierte Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen vermittelt als authentischer historischer Lernort die Geschichte der deutschen Teilung und des DDR-Grenzregimes wissenschaftlich fundiert an ein breites Publikum. Hier wird Geschichte nicht nur erklärt, sondern insbesondere jüngeren Generationen erlebbar gemacht.

Das Grüne Band ist aber nicht nur ein Ort des Erinnerns. Kulturinitiativen, Kunstprojekte und regionale Initiativen greifen die besondere Geschichte auf und schaffen neue Perspektiven. Künstlerinnen und Künstler nutzen die Landschaft als Bühne, um Themen wie Freiheit, Natur und Zusammenhalt kreativ zu interpretieren.

Für die hier lebenden Menschen ist das Grüne Band ein Stück Heimat mit besonderem Charakter. Es bietet Raum für Erholung, für kulturelle Teilhabe und für das Bewusstsein, dass aus einer Grenze ein verbindendes Band geworden ist. Dies macht das Grüne Band zu einem besonderen Kulturraum – einem Ort, an dem Geschichte, Natur und Kultur gemeinsam Zukunft gestalten.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 3/2026