Die DDR-Grenzanlagen durchschnitten zwischen 1961 und 1989 auf brutale Weise die Potsdam-Berliner Kulturlandschaft. Das Grenzregime schränkte durch das gewaltsam durchgesetzte Ausreiseverbot Menschenrechte grundlegend ein, die Verantwortlichen nahmen auch Todesfälle in Kauf. Mehrere Fluchtversuche misslangen auch im Bereich der Potsdamer Parks, wo das West-Berliner Ufer auf der anderen Havelseite gut sichtbar war und erreichbar schien. Die menschliche Brutalität der Anlagen war entlang der ganzen deutsch-deutschen Grenze dieselbe, doch kam in Potsdam im Bereich der Parks Babelsberg, Neuer Garten und Sacrow noch der völlige Mangel an Achtung gegenüber einem einmaligen Ort der Kunst und Geschichte hinzu. In allen drei Parks wurden erhaltene Anlagen eingeebnet, Gebäude abgerissen und dem Verfall überlassen. Entlang des Grenzverlaufs wurden Bäume gefällt und Vegetation chemisch vernichtet, während der überwiegende Teil der Gärten dem Wildwuchs überlassen wurde. Im Park Babelsberg gab es zu DDR-Zeiten ein verstörendes Nebeneinander von Volkspark und Grenzanlage: In den 1970er und 1980er Jahren wurden die schlossnahen Partien im Park Babelsberg nach historischem Vorbild wiederhergestellt, im Schloss war seinerzeit ein Museum eingerichtet. Schulklassen spielten auf den Rasenflächen am Pleasureground, während wenige Meter weiter im abgezäunten Gebiet Patrouillen die Grenze sicherten.

Sacrow wurde im Zuge der Grenzerrichtung komplett isoliert und mit einem eigenen Grenzposten gesichert. Die Heilandskirche wurde Teil der Grenzmauer, Gebäude und Park wurden vom Zoll der DDR genutzt. Noch vor dem Mauerfall konnten Teile der Kirschenfassade auf Initiative des damaligen Regierenden Bürgermeisters von West-Berlin Richard von Weizsäcker restauriert werden, doch erst mit der Übernahme durch die Potsdamer Schlösserverwaltung 1990 wurde das gesamte Ensemble wiederhergestellt.

Im Neuen Garten nutzte der damalige Parkleiter Otto Raudensky in den 1980er Jahren die Anweisung zur Entfernung morscher Bäume im Grenzbereich für einen raffinierten Schachzug: Er nahm den Befehl als Anlass, um die zugewachsenen Sichtbeziehungen vom Marmorpalais zum Schloss auf der Pfaueninsel und dem Schloss Sacrow wieder freizulegen. Der sogenannte »Raudensky-Coup« verdeutlicht, wie tief der Wunsch zum Erhalt des Welterbes bei den Menschen verwurzelt war.

Alle drei genannten Anlagen gehörten zu den Parkanlagen des preußischen Königshauses, die nach einem Masterplan des herausragenden Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné um Potsdam herum zu einer durchgehenden Landschaft von atemberaubender Schönheit zusammengefasst worden waren. Diese Schlösser und Parks der Landschaft um Potsdam (und im Südwesten Berlins) erhielten 1990 UNESCO-Welterbe-Status. Ironischerweise hatte die DDR diesen Status selbst noch beantragt – gedacht war an die erste UNESCO-Welterbestätte im Land – und ebenso ironischerweise wurde dieser Antrag angenommen, als die DDR bereits nicht mehr existierte.

Die Rückgabe des Grenzstreifens an die Gärtner und Gärtnerinnen der Parks und der Beginn der Wiederherstellungsmaßnahmen der Anlagen hat sich als besonders emotionaler Moment in die Geschichte der Potsdamer Gärten und unserer Stiftung, der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, eingebrannt. Viele Menschen, die die Zerstörung und Verwahrlosung des ihnen Anvertrauten selbst hatten beobachten müssen, arbeiteten nun mit großer Leidenschaft und Sachkenntnis daran, die Spuren der Gewalt des Grenzregimes zu beseitigen. Auf den kontaminierten Böden des ehemaligen Grenzgebietes wurden mit großer Geduld und Hingabe neue Gehölze gepflanzt, während in den jahrelang vernachlässigten Bereichen die gestalterischen Strukturen mühevoll herausgearbeitet wurden. So gelang in erstaunlich kurzer Zeit die umfassende Wiederherstellung dieser Gartenkunstwerke. Die Idee, dass das Welterbe über die Gewalt triumphiert, ist zutiefst anrührend und hatte enorme Energien freigesetzt. Sie ist sogar zum Thema eines Films und eines Buchs mit Interviews geworden (Jens Arndt, Gärtner führen keine Kriege, Berlin 2016), die nach wie vor auf großes Interesse stoßen. Heute weisen nur noch wenige Spuren auf die Geschichte der Teilung hin. Oft muss man sie sorgfältig suchen, wie beispielsweise die letzten Überreste der weißen Wandfarbe am Dampfmaschinenhaus im Park Babelsberg. Um Flüchtende in der Dunkelheit besser zu erkennen, wurden Teile der Außenwände des historischen Gebäudes, das im Stil einer Moschee erbaut wurde, weiß angestrichen. Als prominenteste Spur ist hier die unterschiedliche Farbe der Glienicker Brücke auf Potsdamer und Berliner Seite zu nennen, die auf den Kalten Krieg zurückgeht.

Die Potsdamer Situation ist also in mehrerlei Hinsicht eine Ausnahme innerhalb des Grünen Bandes, denn hier koexistieren mehrere Bedeutungsebenen, die unterschiedliche Herangehensweisen erfordern. Im Bereich unserer Stiftung steht das gesamte Gelände des Grünen Bandes als historische Gartenanlage unter Denkmalschutz, nur Teile der Havel zwischen dem Neuen Garten und Sacrow, Teile des Jungfernsees sowie die Sacrower Anlage stehen außerdem unter Naturschutz. Insbesondere aber sind die Anlagen Welterbe im Sinne der UNESCO und stehen dadurch unter besonderem Schutz für die gesamte Menschheit. Dafür gibt es ein durch ICOMOS im Auftrag der UNESCO organisiertes Monitoring, die Aufgabe der Erhaltung übernehmen aber laut Welterbe-Konvention die jeweiligen Staaten, hier also die Denkmalpflegebehörden in der Bundesrepublik Deutschland (für die genannten Parks des Landes Brandenburg). Dies alles ist eindeutig und sicher auch unstrittig. Komplizierter wird es erst bei den Kriterien der Unterschutzstellung, denn die UNESCO hat sich 1990, für die damalige Zeit typisch (aber vielleicht unbewusst?), für eine Argumentation ausschließlich mit dem 18. und 19. Jahrhundert entschieden. Die spätere deutsche und europäische Geschichte hat in der UNESCO-Begründung keinen Raum, ist in dieser Argumentationslogik vielmehr ein Störfaktor: »Die historische Entwicklung zwischen 1939 und 1989 hat am Potsdamer Gut aufgrund von Vernachlässigung, Umnutzung von Gebäuden für die gesamte Gesellschaft und des Baus militärischer Einrichtungen Spuren hinterlassen; gleichwohl folgt die Gestaltung noch immer Lennés Plan.«

Sechsunddreißig Jahre später haben sich die Fragen und das Interesse des Publikums verschoben. Neben die besondere Schönheit und künstlerische Relevanz der Parks ist auch ihre Bedeutung als Geschichtslandschaft getreten. Ein großes Forschungsprojekt der staatlichen Schlösser und Gärten in Deutschland arbeitet zur Geschichte ihrer Gebäude und Anlagen im 20. Jahrhundert. Angebote zur Geschichte der Potsdamer Parks im 20. Jahrhundert, gerade auch zu Grenzanlagen und Wiederherstellungsmaßnahmen nach 1990 stoßen auf großes Interesse. Die Mauerzeit ist einer der wesentlichen Gründe für ausländische Touristen, nach Berlin zu fahren. Unsere Aufgabe ist es also, diese unterschiedlichen Ansprüche zusammenzubringen. Auf die wenigen Spuren im Originalbestand muss in Zukunft besser hingewiesen werden. Mitarbeitende, die in der Zeit der Teilung bereits in den Gärten arbeiteten, geben in speziellen Führungen als Zeitzeugen einen Einblick in die bewegte Vergangenheit der betroffenen Parkanlagen. Gleichzeitig hat unsere Stiftung das Thema für die digitale Vermittlung identifiziert. Das »Serious Game« Borderzone kann vor Ort im Park Babelsberg gespielt werden und zeigt mit Mitteln der Augmented Reality die Situation zur Zeit der Teilung. Dies wird teilweise im Rahmen von Schulprogrammen getan, um Borderzone als Einstieg in historische Diskussionen zu nutzen. Dieses Spiel wird von uns frei angeboten, darüber hinaus bieten wir Schulprogramme und Fortbildungen für Lehrkräfte an, die mit einer Spiele-App, der Action Bound-App arbeiten. Als drittes Element ist ein kontinuierliches Programmangebot zur Geschichte der Parks während der Teilung gefragt und notwendig. Wir planen, diesem Thema auch im sanierten Schloss Babelsberg in Zukunft prominenten Raum zu geben.

Aus guten Gründen ist also das Gelände der Grenzanlagen in den Potsdamer Parks 1990 nicht direkt unter Naturschutz gestellt, sondern vorrangig als Kulturdenkmal und Welterbe betrachtet worden. Das macht die Vermittlung des widersprüchlichen und oft brutalen Erbes in der ehemaligen Grenzzone zu einer besonders wichtigen Aufgabe. Die Einbindung in das Grüne Band kann hier einen wichtigen Baustein liefern.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 3/2026