Im Herbst letzten Jahres wurde Sebastian Guggolz zum Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gewählt und ist damit Vorsitzender eines der großen Kulturwirtschaftsverbände. Der Börsenverein kann auf eine zweihundertjährige Geschichte zurückblicken. Ihm gehören Verlage, der Zwischenbuchhandel, also die Großhändler, und die Sortimentsbuchhandlungen an. Er vertritt die Interessen der ausdifferenzierten Buchbranche gegenüber der Politik und tritt für die Freiheit des Wortes ein. Sebastian Guggolz war zuerst Lektor bei Matthes & Seitz und gründete dann vor etwas mehr als zehn Jahren den Guggolz Verlag. Der Verlag konzentriert sich auf Neuübersetzungen und Neuausgaben von Werken aus Nord- und Osteuropa, die nicht im Fokus stehen. Er wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Förderpreis der Kurt Wolff Stiftung und dem Deutschen Verlagspreis. Neben der Tätigkeit im eigenen Verlag betreut Guggolz als Lektor das Klassik-Programm des Fischer-Verlags.

Guggolz ist in der Buchbranche zuhause. Er kennt die kleinen und die großen Häuser, er ist dem Wort, der Literatur verpflichtet, und weiß um die Nöte der Branche, etwa mit Blick auf KI, das Urheberrecht, oder auch die Existenzsorgen des stationären Buchhandels angesichts der Marktmacht US-amerikanischer Buchkaufhäuser.

Bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse hat sich Sebastian Guggolz klar und unmissverständlich vor die vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossenen Buchhandlungen gestellt. Er hat die Geschlossenheit der Buchbranche repräsentiert und sich gegen Unterstellungen gegenüber den ausgeschlossenen Buchhandlungen verwahrt. Gleichzeitig hat er den Gesprächsfaden gegenüber dem BKM nicht abreißen lassen. Hut ab vor Ihrer Klarheit und Entschlossenheit, Sebastian Guggolz.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 4/2026