Am 10. April 1986 wurde in Berlin die mikroskopische Gesellschaft gegründet. Die Gründung erfolgte auf Initiative von Klaus Hausmann und Norbert Hülsmann, damals beide am Institut für Allgemeine Zoologie der Freien Universität Berlin tätig. Ziel war es zunächst, Menschen zusammenzuführen, die das gemeinsame Hobby Mikroskopie pflegen und die Begeisterung für naturwissenschaftliche Fragestellungen in diesem Zusammenhang teilen. Mit der Gründung der gemeinnützigen Berliner Mikroskopischen Gesellschaft e. V. (BMG) werden Bestrebungen und Entwicklungen in der Mikroskopie sowie der auf ihnen basierenden Disziplinen verfolgt, um naturwissenschaftliches Verständnis zu vertiefen und breiten Interessentenkreisen zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck wendet sich der Verein ausdrücklich an alle Interessierten in der Bevölkerung.

Die Mitglieder der BMG setzen sich aus den verschiedensten Berufsgruppen zusammen. Zum einen engagieren sich Fachleute, u. a. aktive und ehemalige Wissenschaftler sowie Lehrkräfte aus den Bereichen Biologie und Medizin, darüber hinaus einige Mitglieder, die keine explizite biologische Ausbildung besitzen. Bemerkenswert ist, dass einige von ihnen bereits seit der Gründung der Gesellschaft dabei sind. Gemeinsam verbindet sie das ausgeprägte Interesse an der Mikroskopie sowie der Wunsch, die eigene Begeisterung für dieses Fachgebiet an einen größeren Personenkreis weiterzugeben.

Ein zentrales Element des Vereinslebens der BMG ist der in einem zweiwöchigen Rhythmus stattfindende Vortrags- und Übungsabend. Diese Treffen bieten den Mitgliedern sowie interessierten Gästen die Möglichkeit, sich intensiv mit unterschiedlichen Aspekten der Mikroskopie auseinanderzusetzen und ihr Wissen gemeinsam zu vertiefen.

Dank der Unterstützung des Instituts für Zoologie der Freien Universität Berlin steht dem Verein ein hervorragend ausgestatteter Kursraum mit entsprechender optischer Ausrüstung zur Verfügung. Dies ermöglicht nicht nur theoretische Vorträge, sondern auch die unmittelbare praktische Anwendung am Mikroskop. Die behandelten Themen sind vielfältig. Sie reichen von Mikroorganismen über Ein- und Mehrzeller in Gewässern, tierische und pflanzliche Gewebe, die Herstellung mikroskopischer Dauerpräparate bis hin zur Untersuchung kristalliner Strukturen und technischer Aspekte der Mikroskopie.

Seit Gründung der Gesellschaft wurden bereits über 700 dieser Vortragsabende abgehalten. Die Referenten kommen sowohl aus den eigenen Reihen als auch aus befreundeten mikroskopischen Vereinigungen innerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Darüber hinaus werden immer wieder Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten für Vorträge gewonnen, um den Teilnehmenden aktuelle Einblicke und Fachwissen zu vermitteln.

Ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten der Berliner Mikroskopischen Gesellschaft sind die regelmäßig organisierten ein- und mehrtägigen Exkursionen. Zu den Zielen zählen beispielsweise Helgoland, Hiddensee und das Untere Odertal. Im Rahmen dieser Exkursionen haben die Teilnehmenden die Gelegenheit, vor Ort Wasserproben zu entnehmen und diese anschließend direkt unter dem Mikroskop zu untersuchen. Diese praktische Anwendung der Mikroskopie ermöglicht es, erworbenes Wissen unmittelbar umzusetzen und zu vertiefen. Bei den Exkursionen sind stets auch Gäste willkommen, die sich für die Mikroskopie interessieren und an den gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen möchten.

Die langjährige Beschäftigung der Mitglieder der BMG mit Mikroskopie hat zu einem umfangreichen Erfahrungsschatz geführt. Im Laufe der Jahre konnten nicht nur fundierte Kenntnisse über verschiedene Techniken und Verfahren erworben werden, sondern auch ein tiefgehendes Verständnis für die Handhabung sowie Reparatur der Geräte. Diese Expertise kommt insbesondere neuen Mitgliedern und Interessierten zugute, die Unterstützung bei Auswahl und Erwerb eines Mikroskops benötigen.

Außerdem bietet die BMG praktische Hilfe beim Austausch von Ersatzteilen sowie bei der Lösung sonstiger technischer Probleme rund um das Mikroskop. Insbesondere Anfänger profitieren von diesem Angebot, da sie bei Fragen und Herausforderungen auf die Erfahrung und das Wissen der Vereinsmitglieder zurückgreifen können. So trägt die Gesellschaft dazu bei, den Einstieg in die Mikroskopie zu erleichtern und das gemeinsame Interesse an diesem faszinierenden Fachgebiet weiter zu fördern.

Die BMG zeigt ein starkes Engagement bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen in Berlin. Besonders hervorzuheben sind dabei der »Weltmikroskopietag« im Zeiss-Großplanetarium sowie der »Lange Tag der Stadtnatur«. Die Teilnahme an diesen Events ermöglicht interessierten Gästen, Einblicke in die Mikroskopie zu gewinnen und sich mit Experten auszutauschen. So trägt die Gesellschaft dazu bei, das Interesse an naturwissenschaftlichen Themen zu fördern und die Begeisterung für die Mikroskopie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei den Veranstaltungen sieht man immer wieder erstaunte Gesichter, wenn die Besucher, insbesondere Kinder, selbst einen Blick durch das Mikroskop auf Wasserproben, Sand, Radiolarien oder Diatomeen werfen können.

Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten sich zahlreiche Vereinigungen und Arbeitsgemeinschaften für Mikroskopie, von Wissenschaftlern sowie interessierten Laien. Diese Gruppen pflegten einen intensiven Austausch von Informationen sowie von mikroskopischen Präparaten. Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung der Mikroskopie als gemeinschaftliches Hobby war die Herausgabe der Zeitschrift »Mikrokosmos – Zeitschrift zur Förderung wissenschaftlicher Bildung« im Jahr 1907 durch Raoul Heinrich Francé. Ihr erklärtes Ziel war es, interessierten Menschen, die Begeisterung für die Mikroskopie und Ästhetik der Mikrowelt teilten, ein eigenes Forum zu bieten. Dadurch wurden das Wissen und die Faszination für die Mikroskopie einem breiteren Publikum zugänglich gemacht und der fachliche Austausch zwischen den Vereinigungen gefördert. Leider musste die Zeitschrift 2014 aus finanziellen Gründen eingestellt werden.

Eine der großen Herausforderungen für die BMG, wie für die meisten mikroskopischen Vereinigungen, besteht in der überalterten Mitgliederstruktur. Viele Neumitglieder finden in den letzten Jahren ihren Weg in den Verein häufig erst, nachdem sie bereits im Arbeitsleben gut etabliert sind oder das Ende der aktiven beruflichen Tätigkeit absehbar ist. Es bleibt daher eine wesentliche Aufgabe, jüngere Personen, die eine Begeisterung für das Hobby Mikroskopie haben, von den Vorteilen einer Mitgliedschaft unter Gleichgesinnten zu überzeugen.

Das Internet hat sich als zentrale Informationsquelle etabliert und spielt auch im Bereich der Mikroskopie eine entscheidende Rolle. Hobbymikroskopiker greifen verstärkt auf digitale Angebote zurück, um sich über aktuelle Entwicklungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Tipps zu informieren. Viele Vereine, auch die BMG, tragen diesem Trend Rechnung, indem sie umfangreiche Informationen zu ihren Aktivitäten auf ihrer Homepage bereitstellen.

Auf den Websites der Vereine finden Interessierte eine Vielzahl von Ressourcen. Dazu zählen mikroskopische Aufnahmen, ausführliche Anleitungen zum Umgang mit dem Mikroskop sowie zur Herstellung von Präparaten und Erläuterungen zu technischen Aspekten der Mikroskopie. Diese öffentlich zugänglichen Inhalte ermöglichen es sowohl Vereinsmitgliedern als auch externen Interessierten, ihr Wissen eigenständig zu erweitern oder sich gezielt auf bestimmte Themen zu konzentrieren.

Viele erfahrene Mikroskopiker nutzen das Internet, um ihre langjährige Expertise weiterzugeben, und stellen ihr Wissen auf eigenen Homepages vor. Dort präsentieren sie nicht nur beeindruckende Aufnahmen aus der Mikrowelt, sondern vermitteln auch praktische Erfahrungen und Tipps rund um die Technik und das Arbeiten am Mikroskop. So wird das Internet zu einer wichtigen Plattform für Austausch sowie Weitergabe von mikroskopischem Wissen und fördert das Interesse an diesem faszinierenden Fachgebiet. Eine bedeutende Plattform für den deutschsprachigen Raum stellt dabei das »Mikroforum« (www.mikroskopie-forum.de) dar. Hier tauschen sich Mikroskopiker über ihre Beobachtungen, Erfahrungen sowie technische Herausforderungen aus und profitieren gegenseitig vom Wissen der Community.

Trotz der Fülle an digitalen Angeboten und der Möglichkeit, sich online zu informieren und auszutauschen, sollte jedoch die Bedeutung der Vereinsmitgliedschaft nicht unterschätzt werden. Die im Internet verfügbaren Informationen können die direkten, praktischen Tipps und die persönliche Unterstützung, die einem in einem Verein zuteilwerden, nur bedingt ersetzen. Insbesondere der persönliche Kontakt, das gemeinsame Arbeiten sowie die individuelle Hilfestellung durch erfahrene Vereinsmitglieder sind wertvolle Aspekte, die zur erfolgreichen und nachhaltigen Beschäftigung mit der Mikroskopie beitragen.

Die Beschäftigung als Hobbymikroskopiker bietet auch die Möglichkeit, einen bedeutenden Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung zu leisten. Dies geschieht insbesondere durch die Mitwirkung an sogenannten Citizen Science-Projekten. Bei diesen Projekten werden Forschungsarbeiten entweder unter Mithilfe von oder sogar vollständig durch interessierte Amateure und Laien durchgeführt. Die Beteiligten führen dabei eigenständig Beobachtungen und Messungen durch, dokumentieren ihre Ergebnisse, werten diese aus und veröffentlichen sie im Rahmen des Projekts.

Für naturbegeisterte Personen eröffnet die Plattform iNaturalist eine hervorragende Möglichkeit, sich aktiv an Citizen Science-Projekten zu beteiligen. Hier können Nutzerinnen und Nutzer Beobachtungsdaten sowie Bilder aus allen Bereichen der belebten Natur hochladen und damit zur Erfassung der Artenvielfalt beitragen. Besonders für Mikroskopiker ist iNaturalist von großem Interesse, da auch Organismen eingereicht werden können, die nur mithilfe eines Mikroskops beobachtet oder eindeutig bestimmt werden können. Ein wesentlicher Vorteil der Plattform ist der Evaluierungsprozess, dem alle eingereichten Daten unterliegen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Qualität der Beobachtungen bestimmt wird und die wissenschaftliche Aussagekraft der gesammelten Informationen kontrolliert ist. Hobbymikroskopiker können somit einen bedeutsamen Beitrag zur Dokumentation und Erforschung der Biodiversität leisten, indem sie ihre Beobachtungen einer breiten Community und der Wissenschaft zur Verfügung stellen.

Wir, die Mitglieder der BMG sowie unsere Unterstützer aus Familie und Freundeskreis freuen uns über 40 interessante Jahre, die wir unserem Hobby Mikroskopie gewidmet haben. Die nächste Dekade wird bestimmt ebenso spannend werden.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 4/2026