Seit März 2022 unterstützt das Ukraine Art Aid Center (UAAC) den ukrainischen Kultursektor mit Sach- und Projektspenden zum Schutz und zur Rettung des großartigen Kulturerbes der Ukraine. Dass auch heute kein Ende des russischen Großangriffs in Sicht sein würde, dass sich im Gegenteil die meist gezielten Aggressionen gegen ukrainische Kultureinrichtungen zunehmend verschärfen würden, schien vor viereinhalb Jahren noch unvorstellbar. Aber auch nach all dieser Zeit wäre es vermessen, eine Bilanz zu ziehen – denn die Herausforderungen haben sich in all den Jahren immer wieder verändert.
Dringend benötigt wurden zu Beginn des russischen Großangriffs Verpackungsmaterialien und Klimageräte, die das UAAC dank vieler Sachspenden aus Firmen und kulturellen Einrichtungen und dank großzügiger Geldspenden von namhaften Stiftungen schon im März 2022 nach Kyjiw und nach Lwiw liefern konnte. Bald danach setzte die bedeutende Unterstützung der Bundesregierung ein, die 2022 von der Beauftragten für Kultur und Medien und seit 2023 vom Auswärtigen Amt gewährleistet wurde bzw. wird – wobei dieses im internationalen Vergleich vorbildliche Engagement 2025 und 2026 leider eine deutliche Einschränkung erfahren hat. Trotzdem ist das UAAC mit einem Gesamtspendenvolumen von mittlerweile mehr als zehn Millionen Euro auch im internationalen Vergleich die größte Organisation in diesem Sektor. Es konnte mit diesen Mitteln über die Jahre weit mehr als eintausend kulturelle Einrichtungen in der Ukraine mit Sach- und gezielten Projektspenden versorgen.
Wer nun glaubte, dass in der Ukraine der Bedarf an Verpackungsmaterial nach vielen Lkw-Ladungen mit Luftpolsterfolie, Plastikboxen, Holzkisten, säurefreiem Karton, Silikagel etc. nach und nach gestillt sein würde, sah sich getäuscht. Genauso wie die meisten Kultureinrichtungen im übrigen Europa waren auch ukrainische Museen gar nicht oder nur unzulänglich auf die erzwungene Einlagerung ihrer Sammlungen vorbereitet – und dies, obwohl Evakuierungen schon ab 2014 auf der Krim und im Donbass notwendig geworden waren. Zuletzt erhielt dieses Thema aufgrund eines Erlasses des ukrainischen Kulturministeriums vom Februar 2026 erneut eine besondere Dringlichkeit, zumal die Regierung damit der rechtlichen Unsicherheit in diesem Bereich ein lang ersehntes Ende setzte.
Das UAAC ermittelt die Bedarfe nicht nur mithilfe seiner ukrainischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch in regelmäßigen Online-Meetings mit Einrichtungen vor Ort. Eine große internationale Konferenz, die das UAAC gemeinsam mit dem Goethe-Institut und der »International alliance for the protection of heritage« (ALIPH) im April 2025 in Kyjiw durchführte, diente ebenfalls einer Bestandsaufnahme im gesamten Kultursektor, die im Nachgang auch publiziert wurde.
Während in den vergangenen viereinhalb Jahren die Bedarfsmeldungen für Verpackungsmaterial insgesamt hoch blieben, veränderten sich bei anderen Hilfsgütern die Schwerpunkte. So setzt das UAAC je nach Lage auch bedeutende Mittel für die Ausrüstung zur Digitalisierung von Sammlungen und von Kulturdenkmälern ein. Beschafft werden dafür Scanner, Fotoapparate, PCs und Speichermedien – und nicht zuletzt Ausrüstungen für das Erstellen von 3D-Scans großer Gebäude oder für die Erstellung von sogenannten LiDAR-Scans der europaweit einmaligen Skythenfestung Bilsk. Abhängig vom Zustand der ukrainischen Energieversorgung sind auch immer wieder Geräte für das Energiemanagement wie Powerbanks, Powerstations und Generatoren sehr gefragt. Diese ermöglichen es den Kultureinrichtungen, trotz ständiger Stromausfälle ihre Arbeit aufrechtzuerhalten und den Betrieb von Alarmanlagen, Klimageräten, PCs und anderen Geräten zu gewährleisten.
Parallel zur Lieferung von Sachspenden fördert das UAAC laufend Projekte, die es ausgewählten Institutionen ermöglichen, beschädigte Gebäude so weit zu reparieren, dass deren Substanz keinen weiteren Schaden nimmt und ein angemessener Besucherbetrieb gewährleistet werden kann. Denn die ukrainischen Kolleginnen und Kollegen sind Meister darin, die Arbeit ihrer Einrichtungen trotz aller Angriffe aufrechtzuerhalten und damit auch einen wichtigen Beitrag zum Widerstand des Landes zu erbringen, zumal die Bevölkerung am Kulturleben mit großem Interesse teilnimmt.
Die immer hemmungsloseren Angriffe auf ukrainische Kultureinrichtungen lassen erkennen, dass deren Rolle als Pfeiler der Resilienz in Moskau durchaus wahrgenommen wird. Mit den jüngsten russischen Attacken – etwa auf das Höhlenkloster, das Mystetskyi Arsenal und das Tschernobyl-Museum in Kyjiw, auf das Regionalmuseum in Cherson oder auf Lagerhäuser ukrainischer Verlage, bei denen auch große Mengen an Schulbüchern vernichtet wurden – scheint sich eine immer wahllosere Aggression gegen den Kultursektor zu manifestieren, der als lebendiges Zeichen der eigenständigen kulturellen Identität der Ukraine der russischen Ideologie bekanntlich ein besonderer Dorn im Auge ist.
Immerhin werden diese Zerstörungen auch international verurteilt. Hoffen wir, dass dies zur dringend notwendigen Intensivierung der Hilfe für den ukrainischen Kultursektor führen wird – denn selbst wenn das UAAC und weitere Hilfsorganisationen schon Namhaftes leisten, wirkt dieses Engagement angesichts der leider zunehmenden Zerstörungen immer noch wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.