Laute Musik, viele Menschen und die Frage, wie dafür gesorgt wird, dass alle wieder gut nach Hause kommen. Dennis Eichenbrenner, Vorsitzender des Bundesverbands Veranstaltungssicherheit, über die Verantwortung der Veranstaltungssicherheit, das Risiko und das Wetter.

 

Sophia Blochowitz: Livekultur lebt von Nähe und Intensität. Wie viel Risiko ist dabei unvermeidbar?

Dennis Eichenbrenner: Wie viel Risiko man tragen will, entscheidet letztlich jeder für sich. Ähnlich wie bei der Wahl einer Sportart gibt es Events, die risikoreicher sind als andere. Für die Entscheidung des Einzelnen ist es unabdingbar, dieses Risiko für sich selbst zu bewerten. Voraussetzung ist, dass die Sicherheitsstandards bekannt sind. Entscheidend ist, dass keine verborgenen Risiken bestehen, die ich als Besucher oder Teilnehmer nicht absehen kann. Damit Risiken in einem gesellschaftlich akzeptablen Maß abgebildet werden können, gibt es das Sicherheitskonzept für Veranstaltungen.

 

Sicherheit ist ein großer Kostenpunkt in der Veranstaltungsplanung. Braucht heute tatsächlich jede Veranstaltung ein Sicherheitskonzept – von der kleinen Jamsession bis zum Festival?

Sicherlich braucht nicht jede Jamsession ein Sicherheitskonzept. Die Grenze, ab wann ein Sicherheitskonzept benötigt wird, ist nicht scharf gesetzt und orientiert sich z. B. am Gelände, an der Anzahl der Gäste, der Art der Veranstaltung und vielem mehr. Eine klare Grenze gilt sie ab 5.000 Gästen: Dann verpflichtet die Versammlungsstättenverordnung Veranstalter zur Erstellung eines Sicherheitskonzeptes. In der Regel wird das Konzept durch den Gestattungsgeber eingefordert. Kurz gesagt: Wer sich fragt, ob er ein Sicherheitskonzept benötigt, sollte vermutlich eines vorweisen können.

 

Was wird in der Praxis am häufigsten unterschätzt oder gar nicht erst mitgedacht, wenn Veranstaltungen geplant werden?

Die Veranstaltungswelt ist glücklicherweise sehr divers und wahnsinnig groß. Das heißt, dass vermutlich jeder Aspekt schon einmal über- oder unterschätzt wurde. Drei Punkte möchte ich aber herausheben: Ein wirklich oft unterschätztes Feld ist das Thema Wetter bei allen Veranstaltungen unter freiem Himmel. In der Praxis zählen die notwendigen Vorplanungen wie Grenzen festlegen oder Szenarien planen, die Wetterbeobachtung – wer checkt wann und auf welchem Weg das Wetter –, und die Reaktion auf eintretende Wettergefahren – wer entscheidet, wann wird entschieden, wer setzt um – zu den am häufigsten unterschätzten Aspekten. All das sollte in einem Sicherheitskonzept beschrieben sein.

Weiter wird häufig unterschätzt, dass der Veranstalter die Pflicht hat, die Dienstleister – insbesondere die Veranstaltungssicherheitsdienste – zu verknüpfen, also deren dauerhafte, zügige Zusammenarbeit sicherzustellen. Ab einer gewissen Veranstaltungsgröße geht heute kein Weg mehr an einer gemeinsamen Einsatzleitung vorbei.

Und es wird häufig unterschätzt, dass sich die Welt weiterdreht. Ein Sicherheitskonzept mag vielleicht vor zehn Jahren gut gemacht worden sein, das heißt aber noch lange nicht, dass es dem heutigen Standard gerecht wird. Wir empfehlen daher, die Konzepte in jedem Jahr zu reevaluieren.

 

Welche Rolle spielen digitale Technologien und künstliche Intelligenz inzwischen in der Veranstaltungssicherheit?

Ehrlicherweise spüren wir dazu aktuell noch nicht sehr viel. Bei wirklich sehr großen Events wird beispielsweise bei der Wegeleitung auf Systeme zurückgegriffen, die in begrenztem Maße neue Techno-logien nutzen. Aber letztlich beschäftigen wir uns mit hochsensiblen Fragestellungen und der Sicherheit von Menschenmengen. Das sollte nach meinem Dafürhalten auch so bleiben.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 7-8/2026