Mit »Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne« rückt ein Buch eine lange vernachlässigte Perspektive der Designgeschichte ins Zentrum. Der reich bebilderte Band stellt mehr als 60 jüdische Designerinnen vor – von Keramikerinnen über Textil- und Modeschöpferinnen bis zu Grafikerinnen – und würdigt ihren prägenden Beitrag zur ästhetischen Erneuerung der angewandten Künste im frühen 20. Jahrhundert. Zugleich erzählt er von den Brüchen, die Antisemitismus, Berufsverbote, Verfolgung, Exil und Mord in ihre Lebenswege schlugen. Deutlich wird: Diese Gestalterinnen wirkten nicht am Rand, sondern im Zentrum der Moderne. Ihre Arbeiten prägten Alltagskultur und Konsumwelten der Weimarer Republik, verschwanden jedoch infolge nationalsozialistischer Verfolgung und historiografischer Ausblendung aus dem Kanon.

Thematisch gegliedert in Kapitel wie »Widerstände«, »Vorreiterinnen«, »Warenwelten« oder »Ins Dunkle«, verbindet der Band biografische Skizzen mit Objektanalysen und historischen Kontexten. Geschlechterrollen, Konsumkultur und die schrittweise Entrechtung jüdischer Gestalterinnen greifen ineinander. Die Spannweite der Arbeiten reicht von avantgardistischer Mode bis zu zeremoniellen Objekten; eindrücklich ist die Konfrontation mit nationalsozialistischer Propaganda.

»Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne« schließt eine zentrale Leerstelle der Designhistoriografie und macht deutlich, wie nachhaltig die emanzipatorische Praxis dieser Gestalterinnen bis heute wirkt: eine wichtige, längst überfällige Publikation zur Kultur- und Designgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der Band überzeugt durch seine klare Struktur, die dichte Bildauswahl und die Verbindung von Design-, Sozial- und Gewaltgeschichte. Er richtet sich an ein kunst- und kulturinteressiertes Publikum und bietet zugleich zahlreiche Ansatzpunkte für weitere Forschung. Damit setzt das Buch Maßstäbe für zukünftige Arbeiten zur Moderne.

Jüdisches Museum Berlin, Michal Friedlander (Hg.). Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne. München 2025

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 3/2026