»Umgang mit kolonialen Objekten der Naturkunde« kann als ein Meilenstein der Aufarbeitung kolonialer Strukturen gelten. Während der Umgang mit Sammlungsobjekten aus kolonialen Kontexten z. B. in ethnologischen Museen seit Jahren Debattengegenstand ist, wurde die Provenienz von naturkundlichen Objekten bislang noch nicht umfassend thematisiert. Der neue Band herausgegeben von Katja Kaiser und Ina Heumann will dies ändern.

Während sich das erste Kapitel mit praktischen Handlungsempfehlungen primär an die Museumsfachlandschaft richtet, sind Teil zwei und drei besonders interessant für Laien. Die Beiträge der 35 Autorinnen und Autoren des Sammelbandes beleuchteten Aspekte wie Sprache und Geschichte der Naturkunde und schärfen unser Bewusstsein für den nächsten Gang ins Museum.

Schon in der Einleitung wird erläutert, welche tiefen Spuren der Kolonialismus auch in unserer Sprache hinterlassen hat. Begriffe wie »Sammlung«‚ »Objekt« und »Natur« können neutralisieren, indem sie die Beschaffungsgeschichte und kulturelle Relevanz der Artefakte nicht eindeutig benennen. Die Herausgeberinnen, die am Museum für Naturkunde in Berlin tätig sind, zeigen auch die koloniale Geschichte des Museums auf. So schildern sie, wie z. B. die Dinosauriersammlung im Berliner Naturkundemuseum zwischen 1909 und 1913 vom Tendaguru, einem damals vom Deutschen Reich kolonisierten Gebiet in Tansania, unter Ausbeutung der Natur und lokalen Bevölkerung nach Berlin verfrachtet wurde. Seit den 1980er Jahren steht diese im Zentrum tansanischer Bitten um Dauerleihgabe bzw. Restitution. Am Ende des Bandes stehen Reflexionen, die explizit auf Indigene Praxis und Weltanschauung hinweisen und zum Nachdenken anregen.

Ina Heumann, Katja Kaiser (Hg.). Umgang mit kolonialen Objekten der Naturkunde. Empfehlungen, Forschung, Reflexionen. Dresden 2025

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 7-8/2026