»Ja, auch Rechtsextreme dürfen Staatsanwälte sein« – diesen Satz schmettert ein Kollege der frisch examinierten, deutsch-koreanischen Staatsanwältin Seyo Kim, gespielt von Chen Emilie Yan, in ihrer neuen Einsatzstelle in Ostdeutschland entgegen. Schon zu Arbeitsbeginn weiß die Juristin, dass rechte Gewalt zu ihrem Arbeitsalltag gehören wird. Noch nicht sichtbar ist jedoch, wie stark Rassismus das System durchzieht und wie brüchig die Unabhängigkeit der Justiz sein kann. Doch dann wird Seyo Kim selbst Opfer eines Brandanschlags: Mit dem Fahrrad durch den Park unterwegs zur Arbeit trifft sie ein gezielt abgeworfener, selbstgebauter Brandsatz – nur eine Lederjacke verhindert schlimmere, physische Verletzungen. Während des Verfahrens zu diesem Brandanschlag wird allmählich immer deutlicher, wie stark die Verflechtungen einiger Kolleginnen und Kollegen ihrer Justizbehörde in die rechte Szene sind – und, dass hier auch Rechtsextreme Staatsanwälte sind.
Mit »Staatsschutz« legt der Regisseur Faraz Shariat einen eindringlichen Film vor, der bereits auf der Berlinale mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde und auch nach dem Kinobesuch noch lange nachwirkt, bedrückt, aufwühlt. Seit dem 27. August ist er im Kino zu sehen. Kurz vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wirkt dieser Film nochmal stärker – und ist eine absolute Kinoempfehlung.
Am Ende bleibt dann eins: Die Protagonistin Seyo Kim kämpft trotz existenzieller Bedrohungen mit allen Mitteln kontinuierlich weiter für die Integrität des Rechts. Das bleibt auch nach 113 Minuten als Hoffnung und Mahnung.
Staatsschutz. Regie: Faraz Shariat. Deutschland 2026