Kulturelle Vielfalt: kein gesamtgesellschaftliches Phänomen der Moderne! Der wissenschaftliche Sammelband, herausgegeben vom Klassischen Philologen und Hochschullehrer Lothar Willms, spannt einen Bogen des Austauschs der Kulturen von der Frühzeit (Germanen und Kelten) bis zur Antike, und dies weitgespannt interdisziplinär. So basieren die diffizilen Analysen der fünf Autoren auf Methoden und Erkenntnissen aus Archäologie, Epigraphik (Inschriftenkunde), Alter Geschichte, Onomastik (Namenskunde), Neuer Philologien sowie Literatur- und Sprachwissenschaften. Im archäologischen Fundgut zahlreicher Kulturen finden sich immer wieder Belege für das Interagieren und den kulturellen Austausch; aussagekräftig sind insbesondere antike Inschriften. Und ein ertragreiches Forschungsfeld bietet hier die Analyse überlieferter antiker Personennamen, wie anschaulich an einem Fallbeispiel aus der römischen Antike unter Kaiser Nerva dokumentiert wird. Der facettenreiche Band verdeutlicht, dass die »Konjunktur« der Interkulturalität weit in die Frühzeit und die Antike zurückreicht und uns etwas lehren kann über Diversität unserer modernen Gesellschaften. Die gut erforschten Kelten, »die ersten Europäer«, so Lothar Willms, stehen im Mittelpunkt der Aufsätze. Sie pflegten einen ausgeprägten Kulturaustausch mit dem Mittelmeerraum, insbesondere den Etruskern, und germanischen Stämmen (kein einheitliches Volk!). Der Bogen der Analysen spannt sich bis in unsere von der Globalisierung so geprägte Moderne, etwa beim Fortleben keltischer Wörter in zahlreichen modernen Sprachen und die große Bedeutung der lateinischen Sprache. Die Leserin und der Leser erfahren anschaulich, dass sich Interkulturalität vor allem bei der Analyse von Sprachen und Schriften (Alphabeten) nachweisen lässt. Fazit: Ein fundierter Band und empfehlenswert für alle, die sich für Kulturtransfers und offene, diverse Gesellschaften interessieren.

Lothar Willms (Hg.). Interkulturalität in der Antike. Von Kelten, Römern, Griechen, Etruskern und Germanen. Trier 2023

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 5-6/2026