Ich habe mich mit Uwe Rada in der Kantine der taz verabredet. Mit Begeisterung erzählt er in seiner leisen, aber intensiven Art von seinem neuen Buch. Nach Oder, Elbe und Memel ist nun die Spree dran. Eigentlich wollte er nicht wieder über einen Fluss schreiben, aber der Verlag gab ihm freie Hand bei der Anlage des Buches. Das hat ihn dann doch gereizt. Herausgekommen ist ein persönliches Buch über die Spree, eine literarische Reflexion über eine Flusslandschaft, die viele Aspekte beleuchtet. Es werden sowohl politische und ökologische Konflikte benannt, es wird aber auch die Schönheit der – nicht nur literarisch so unbeachteten – Spree in rechtes Licht gerückt. Radas Erkundungen beginnen nicht an der Quelle, sondern in Berlin – dort, wo die Spree zum Symbol städtischer Macht, Repräsentation und Umgestaltung geworden ist. Er zeigt, wie der Fluss zur Bühne gesellschaftlicher Auseinandersetzungen wird: um öffentlichen Raum, um Investorenträume wie »Mediaspree«, um Sichtbarkeit und Zugang. Die Spree wird nicht als Idyll dargestellt, sondern als politisch aufgeladene Landschaft. Im mittleren Teil richtet Rada seinen Blick auf die Lausitz, und man merkt, dass er die Landschaft kennt und liebt. Er schildert eindrücklich die Bedrohung der Natur, die schon früh begann: »Imi Ata Spee /schwimmen in der Spree / schwimmen in der Spree/ Fit / schwimmt mit / fix und fit / Spray / fliegt in die Höh / jähöh.« Dieses Gedicht, ein »ätzender« Kommentar auf die Umweltverschmutzung der DDR, stammt von Kito Lorenc, einem bekannten sorbischen Schriftsteller der Gegenwart. Und mit diesem anklagenden Spottvers fließt die Reise weiter nach Süden zu den Sorben und Wenden. In Richtung Spreewald wird der Fluss zum Träger kultureller Identität, aber auch zum Austragungsort von Spannungen zwischen Tradition, Tourismus und Naturschutz. Dies und noch vieles mehr kann man in dem schmalen Bändchen erfahren. Uwe Radas literarische Qualität liegt im essayistischen Ton, im genauen Beobachten, im feinen Verweben von Geschichte(n) und Landschaft. »Spree« ist ein stilles, kluges Buch, das nachwirkt – weil es zeigt, wie eng Natur und Gesellschaft miteinander verbunden sind.
Uwe Rada. Spree. Hamburg 2025