Am Anfang war der Tanz? Dagmar Fischer, Tänzerin, Tanzpädagogin und Dozentin, führt ihre Leser durch die so beeindruckende Tanzgeschichte, deren Ursprünge bis in urgeschichtliche Zeit und zu den frühen Hochkulturen zurückreichen, etwa in das antike Ägypten und Griechenland und zu zahlreichen getanzten Schöpfungsmythen. Die ältesten Belege sind auf Felsbildern dokumentiert, die rund 40.000 Jahre alt sind. In vielen Kulturen galt der Tanz gar als ein Geschenk der Götter. Einen Schwerpunkt bildet die Entwicklung im 20. Jahrhundert. Da dürfen so prägende Persönlichkeiten wie Isadora Duncan, Martha Graham, Mary Wigman, Rudolf von Laban oder Vaslav Nijinsky nicht fehlen. Betrachtet werden die wichtigsten Tanzstile, Tanzarten und stilbildenden Choreografien sowie die bedeutendsten Tänzer, Choreografen und Komponisten weltweit. Und dies bis in unsere jüngste Zeit mit zeitgenössischen Hybridformen oder Hip-Hop. So erfährt die Leserschaft viel Interessantes etwa zum Kabuki-Tanz in Japan oder dem indischen Kathakali. Schnell wird deutlich, wie Entwicklungen und zentrale Strömungen im Tanz auf dessen zahlreichen Traditionen und langen Geschichte beruhen. Besonders lebendig wird die Lektüre durch eingeschobene Zitate und Gedichte, Abbildungen, bislang unveröffentlichte Fotos und Illustrationen, Infokästen, Kurzbiografien und eine das gesamte Buch durchziehende Zeitleiste. Die Autorin vermittelt, welche Kraft sowie gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung diese so feine Kunstsparte entwickeln kann und somit die Menschen bewegt: körperlich und emotional. Fazit: Die kurze Geschichte ist eine recht lange mit bewegenden Geschichten. Wer immer sich über Tanz informieren möchte, dem sei dieses Werk wärmstens und uneingeschränkt als Einstiegslektüre empfohlen.  

Dagmar Ellen Fischer. Eine kurze Geschichte des Tanzes. Mit einem Vorwort von Martin Schläpfer. Leipzig 2019 

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 2/2026