»Starkstromzeit« von Aron Boks ist ein ungewöhnliches Buch über die DDR, das persönliche Erinnerungen, Familiengeschichte und Alltagsbeobachtungen miteinander verbindet. Ausgangspunkt ist eine in einer DDR-Zeitschrift entdeckte Lampe – entworfen vom Großvater des Autors. Von diesen Leuchten ausgehend entwickelt Boks ein lebendiges Bild der Lebenswirklichkeit in einem Staat, der heute nicht mehr existiert.

Die Großeltern führten einen eigenen Leuchten- und Dekorationsbetrieb – einen der wenigen selbstständigen Betriebe in der DDR. Für den privaten Verkauf gestalteten sie Lampen mit Stoffschirmen und Troddeln, zugleich erhielten sie staatliche Aufträge zur Ausstattung von Ferienheimen und Hotels. Anhand dieser unternehmerischen Tätigkeit zeigt Boks anschaulich, wie sich Individualität und staatliche Vorgaben, Kreativität und Planwirtschaft im DDR-Alltag begegneten. Nach dem Ende der DDR verschwinden auch die Lampen aus dem öffentlichen Raum. Für Aron Boks wird dieses Verschwinden zum Ausgangspunkt einer persönlichen Spurensuche. Er fragt, was aus den Entwürfen seines Großvaters geworden ist, wer sie vielleicht noch besitzt und welche Geschichten sich mit ihnen verbinden. Alltagsgegenstände wie Lampen werden zu Symbolen gesellschaftlicher Strukturen, persönlicher Erfahrungen und der tiefgreifenden Veränderungen nach der Wende.

Insgesamt ist »Starkstromzeit« eine nachdenkliche und gut lesbare Spurensuche, zugleich nahbar und anschaulich, ohne belehrend zu wirken. Das Buch regt auf sehr persönliche Weise dazu an, über die jüngste Vergangenheit, die Erinnerung an die deutsche Teilung und die eigene Beziehung zur deutschen Geschichte nachzudenken.

Aron Boks. Starkstromzeit. Hamburg 2025

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 3/2026