In »Feindbild Frau« richtet Ingrid Brodnig den Blick auf ein Problem, das längst in den digitalen Alltag vorgedrungen ist: gezielte Hasskampagnen gegen Frauen, insbesondere Politikerinnen und öffentlich wahrnehmbare Persönlichkeiten. Die erfahrene Journalistin zeigt eindrücklich, wie Misogynie, Hass und algorithmische Mechanismen zusammenwirken, um Frauen aus dem öffentlichen Diskurs zu drängen. Brodnig verdeutlicht, dass es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelt. Frauen werden systematisch beleidigt, bedroht und ausgegrenzt. Interviews und Berichte betroffener Politikerinnen aus Deutschland und Österreich machen die Dimensionen dieses Problems greifbar. Die Autorin schildert nicht nur die Angriffe, sondern auch ihre psychologischen und gesellschaftlichen Folgen – von Angst und Rückzug bis hin zur Einschränkung politischer Teilhabe. Trotz der ernsten Thematik bleibt Brodnigs Stil zugänglich. Sie erklärt Mechanismen sozialer Netzwerke und algorithmischer Logik, ohne in Fachchinesisch abzudriften. Komplexe Zusammenhänge werden prägnant und nachvollziehbar dargestellt, wodurch das Buch zu einem leicht lesbaren, aber inhaltlich fundierten Werk wird. Was »Feindbild Frau« besonders macht, ist der Blick nach vorn: Brodnig liefert konkrete Strategien gegen digitale Gewalt – rechtlich, technisch und gesellschaftlich. Dadurch wird das Buch nicht nur zu einer Bestandsaufnahme, sondern zu einem praktischen Leitfaden. Gleichzeitig richtet es einen klaren Appell an die Gesellschaft: Schweigen schützt nicht. Demokratische Debatten brauchen Respekt und Verantwortung – online wie offline. Eine breitere internationale Perspektive oder eine größere Datenbasis hätten den Kontext noch runder gemacht. Dennoch sind die Beispiele so anschaulich, dass sie die Problematik auch über Deutschland und Österreich hinaus verständlich machen. »Feindbild Frau« ist ein dringliches, gut recherchiertes Sachbuch, das digitale Gewalt gegen Frauen aufdeckt und zugleich aufzeigt, wie Betroffene und die Gesellschaft reagieren können. Pflichtlektüre für alle, die sich für Genderfragen, digitale Öffentlichkeit und demokratische Diskurse interessieren. Klar, pointiert und unbequem – genau so sollte ein Buch sein, das Missstände offenlegt.

Ingrid Brodnig. Feindbild Frau. Wie Politikerinnen im Netz bedroht, beleidigt und verdrängt werden – und was wir alle dagegen tun können. Wien 2026

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 4/2026