Eine Archäologie des Computers: Der Medienwissenschaftler, Kurator und Informatiker Stefan Höltgen begibt sich mit diesem attraktiven Katalog des Oldenburger Computer-Museums auf eine fesselnde Spurensuche, bei der vor allem der Unterschied von Analog- und Digitalcomputern plastisch dokumentiert wird. Der Leser wird chronologisch durch die Veröffentlichungsjahre der vorgestellten Homecomputer geführt und fühlt sich gerne erinnert an so prägende Namen wie Amstrad, Atari, Commodore oder Sinclair. Und dabei begegnet er auch DDR-Computern. Das Buch liefert darüber hinaus interessante und überraschende Details zu den vielen Herstellern der Computer. Einen breiten Raum nimmt ihre Programmierung ein, darunter BASIC-Programme zum Abtippen. Eine lobenswerte und zugleich einfache Vermittlung von Anwendungsmöglichkeiten. BASIC war die gebräuchlichste Programmiersprache für Homecomputer der 1970er und 1980er Jahre. En passant erfährt die Leserschaft, dass Künstliche Intelligenz – aktuell in aller Munde – keine Errungenschaft unserer Tage ist, sondern bereits von Leonardo da Vinci mit seinen außergewöhnlichen Automaten vorgedacht wurde. Und sie begegnet zahlreichen Persönlichkeiten der Computergeschichte, die die Lektüre lebendiger machen.

Es ist zu spüren, dass sich der Autor nicht nur akademisch mit dem Thema akribisch beschäftigt hat, sondern selbst alte Computer sammelt, restauriert und sich um die Inbetriebhaltung dieser oft revolutionären Geräte kümmert. Und er liefert zahlreiche Szene-Infos mit Internet-Links. Fazit: Ein intellektueller Genuss und uneingeschränkt zu empfehlen, nicht nur für Computerfreaks und Nerds; aufgrund der zahlreichen Register kann der Katalog auch als Nachschlagewerk dienen.

Stefan Höltgen. RESUME. Hands-on Retrocomputing. Oldenburg 2021

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 9/2025.