Nordrhein-Westfalen, das von den britischen Besatzern nach dem Krieg geschaffene Bindestrich-Bundesland, war das Herz der alten Bundesrepublik. Mit dem Industriegebiet aus Kohle und Stahl an der Ruhr, den Banken in der Landeshauptstadt Düsseldorf, der alten rheinischen Dom-Metropole Köln und der Bundeshauptstadt Bonn. In der bevölkerungsreichsten Region begann nach den Verheerungen der Nazi-Zeit und den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges der Wiederaufstieg Westdeutschlands zur Wohlstandsgesellschaft und zu einem geachteten Mitglied der Völkerfamilie. Der Bildband »Nordrhein-Westfalen. Aufbruch ins Wirtschaftswunder« aus dem Kölner Greven Verlag zeigt die Anfänge, als aus den Trümmern das Leben, die Häuser, Städte und Fabriken wieder aufgebaut wurden und rasch erblühten. Die Bilder der berühmten Fotografen Paul Wolff und Alfred Tritschler schildern eine neue Welt, die teilweise schon wieder untergegangen ist: glitzernde Neubauten, Menschen, die sich des neuerwachten Lebens und Konsums erfreuen, vor allem aber hart Arbeitende in den Industriebetrieben. Kontrastiert wird das mit Aufnahmen der beiden Fotografen aus den 1930er Jahren vor den Zerstörungen und ergänzt von einem klugen Begleittext des Historikers und Chefredakteurs des Bonner General-Anzeigers, Helge Matthiesen. Der Autor dieser Zeilen, 1956 in Düsseldorf geboren, hat diese Zeit miterlebt. Für später Geborene sind die Aufnahmen wahrscheinlich nur noch ein Stück Zeithistorie. Aber sie versinnbildlichen einen Aufbruchsgeist, den man sich auch heute wünscht, wo die Bonner Republik mit dem Herzstück NRW und ihren auch Schattenseiten längst Vergangenheit ist und das Land in neuen Umbrüchen steckt – von der Industrie zur KI-Welt. Und vom Konsum zur Nachhaltigkeit.
Helge Matthiesen. Nordrhein-Westfalen. Aufbruch ins Wirtschaftswunder. Köln 2025