Aufgrund von Mittelkürzungen der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) droht dem Studiengang Konservierung, Restaurierung und Grabungstechnik (KRG) die mögliche Schließung. Studierende, Professoren und Verbände haben sich zusammengeschlossen, um dies zu verhindern. In einer Diskussion im Rahmen der Reihe »JaAberUnd« von Politik & Kultur am 24. November an der HTW gab es dazu eine Podiumsdiskussion, auf youtube nachzusehen unter tinyurl.com/2rf4huu9. Caroline Kolloge spricht im Interview mit Sreya Chatterjee, einer Absolventin des Studiengangs.

 

Caroline Kolloge: Warum hast Du Dich entschieden, KRG an der HTW zu studieren?

Sreya Chatterjee: Ich habe versucht, einen Studiengang zu finden, der in Richtung Filmrestaurierung geht und nicht nur kuratorisch oder theoretisch ist, sondern auch praktisch-naturwissenschaftlich ausbildet. Der Studiengang KRG ist sehr speziell und verbindet den Umgang mit verschiedenen Materialien, nicht nur audiovisuellen, sondern auch archäologischen und modernen Materialien und industriellem Kulturgut. International gesehen ist es der einzige Studiengang, der sich so intensiv mit der Materialität von Analogfilm und dem photochemischen Anteil von Restaurierung beschäftigt.

 

Nach Deinem Masterabschluss hattest Du die Möglichkeit, eine Doktorandinnen-Stelle zu erhalten. Was ist Dein Forschungsgebiet?

Es handelt sich dabei um eine kooperative Promotion mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, da die HTW momentan kein Promotionsrecht hat. Meine Forschungs- und Arbeitsstelle ist aber an der HTW. In meiner Forschung beschäftige ich mich mit der Materialität von historischen Filmen und der Umwandlung in digitale Formate. Dabei betrachte ich nicht nur die technischen Aspekte, sondern auch die kulturhistorischen, ethischen und pädagogischen Ansätze in der Filmrestaurierung. Zu meiner Doktorandinnen-Stelle gehört auch die Lehre. Hier unterrichte ich die Bachelor- und Masterstudiengänge in Mikroskopie, Filmgeschichte, Filmrestaurierung und Restaurierungsethik. Die Zusammenarbeit mit den Studierenden ist sehr inspirierend, und wir können viel voneinander lernen. Es bleiben viele Dinge in der Lehre konstant, aber vieles ändert sich auch immer wieder.

 

Wie beeinflusst die drohende Schließung Deine Forschung und Lehre?

Es herrscht viel Unruhe und auch Unmut bei allen Beteiligten. Ja, die eingeschrieben Studierenden können ihr Studium abschließen, und dann schließt unser Studiengang. Was ist mit der sozialen und kulturellen Verantwortung? Wir arbeiten für die Zukunft, wir erhalten Kulturgut, und dies kann nicht mit der jetzigen Studierendengeneration enden. Wir verlieren dadurch eine wichtige Expertise und das Wissen über zeitgenössische Technologie und Material. Dieses Netzwerk von Wissen wird über Generationen weitergegeben. Ein Studiengang ist niemals komplett dokumentiert. Das Wissen ist wie ein genetischer Code. Der Datensatz kann nicht wie ein Computercode emuliert werden.

 

Welche Auswirkungen hätte die Schließung für die Fachwelt?

Wir haben vier Schwerpunkte: archäologisches und historisches Kulturgut, Grabungstechnik, moderne Materialien und technisches/industrielles sowie audiovisuelles und fotografisches Kulturgut und moderne Medien. Spätere Arbeitgeber sind Museen, Sammlungen, Archive und archäologische Institutionen. Durch eine Schließung des Studiengangs würde es dort an Nachwuchs fehlen, nicht nur deutschlandweit, sondern auch im europäischen und internationalen Ausland. Viele der Absolventen arbeiten später im Ausland oder sind als internationale Studierende an die HTW gekommen. Somit muss die Fachwelt auch mit Konsequenzen durch die drohende Schließung rechnen. Es gibt aber auch viel Solidarität und Unterstützung für den Studiengang durch Verbände, Studierende, Professoren und Alumni. Wir sind als großes Netzwerk zusammengewachsen und diskutieren die nächsten Schritte. Wir versuchen, etwas zu bewahren, an das wir alle fest glauben und das uns allen am Herzen liegt.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 12/2025.