An der Sichtbarkeit im digitalen Raum führt für Kultureinrichtungen kein Weg mehr vorbei. Wenn es um mehr gehen soll als Marketing und Ticketing, dann stellt sich für jede Einrichtung individuell die Frage, welche Rolle sie im Digitalen spielen und welche Ziele sie virtuell erreichen möchte. Um sie zu beantworten, können Verbünde hilfreich sein. Ein solcher Verbund ist digiCULT mit Sitz in Kiel. Als Genossenschaft ging digiCULT 2010 aus einem EU-Projekt an der Universität Kiel hervor. Ziel ist es, mit und für Museen, Sammlungen und weiteren Kulturerbeeinrichtungen Software für Objekterfassung, Sammlungsmanagement, Vokabularverwaltung und zur digitalen Publikation zu entwickeln. Das Mission Statement der Genossenschaft schließt mit dem Satz: »Wir sind Teil einer großen, digitalen Kulturlandschaft, die unsere kompetenten Mitglieder mit ihren Inhalten und wir mit innovativen Entwicklungen mitgestalten.« Open Access und Open Data grundieren die Haltung von digiCULT und formulieren den Anspruch, den der Verbund und die Mitglieder gemeinsam verfolgen. Die Datenweitergabe im LIDO-Format, dem Metadatenstandard für Objekte, z. B. an die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) und Europeana, gehört zum Leistungskern von digiCULT. Für die bessere Vernetzung und mit Blick auf Entwicklungen in Richtung Linked Open Data werden derzeit RDF und SPARQL-Endpoints aufgebaut. Die stetige Weiterentwicklung der Software richtet sich nach den Bedarfen der Mitglieder und profitiert von ihren Impulsen. Aktuell entwickeln wir Konzepte, wie KI-Tools bei der Objekterfassung, Sammlungsstrukturierung und der Vernetzung über Normdaten und Vokabulare unterstützen können. Ein entsprechender Antrag, um Modelle sicher und DSGVO-konform auf hochperformanten Servern zu betreiben und niedrigschwellig nutzbare KI-Tools in die Software zu integrieren, wird derzeit von der Staatskanzlei Schleswig-Holsteins geprüft.
Das Land hat eine KI-Strategie und steuert nachdrücklich digitale Souveränität an. Ähnliche Wege gehen z. B. Baden-Württemberg oder Berlin. Sie zeigen, wo politisch anzusetzen wäre: So wie Bund und Länder bei der Finanzierung der DDB zusammenwirken und das Onlinezugangsgesetz (OZG) deutschlandweit Leitlinien für Barrierefreiheit setzt, sind auch für die digitale Infrastruktur ein gemeinsames Konzept und Zusammenwirken notwendig. Kultureinrichtungen haben in der Regel keinen Zugang zu Hochleistungsrechnern und auch nicht zu einer stabilen, schnell und sicher einzurichtenden Serverumgebung. Wenn Kultur und Wissenschaft enger zusammenrücken und diejenigen Einrichtungen, die z. B. für die NFDI Repositorien bereitstellen, auch den Kultureinrichtungen ermöglichen, Digitalisate zu speichern und ergänzende leistungsstärkere Dienste zu hosten, könnten Kulturerbeeinrichtungen die Potenziale der digitalen Entwicklungen nutzen und ihre Sichtbarkeit ausbauen. Verbünde wie digiCULT agieren dabei als Schnittstellen. Wir entwickeln Software und Tools weiter und machen sie den Mitgliedern im Verbund zugänglich – ganz egal, ob groß oder klein, ob städtisch, kommunal oder auch ehrenamtlich getragen. Generisch entwickelte und gemeinsam genutzte Tools und Dienste sind nachhaltig, weil sie gepflegt und bedarfsgerecht weiterentwickelt werden; zugleich werden sie in eine bestehende Systemlandschaft integriert und über Schnittstellen ggf. auch für Nutzende außerhalb der Genossenschaft zugänglich. Damit bündeln wir Ressourcen und treiben die Entwicklung zielstrebig an. Ein erweiterter Blick z. B. auf die Wikimedia-Foundation mit Wikidata sowie auf die Deutsche Nationalbibliothek mit der GND zeigt exemplarisch den Mehrwert zentraler Knotenpunkte in vernetzten Datenökosystemen. Tragfähige Netzwerke entstehen dabei im Zusammenspiel leistungsfähiger öffentlich getragener Dateninfrastrukturen und starker institutioneller Partnerschaften.
digiCULT agiert deutschlandweit: Über den Museumsverband in Thüringen, den Landschaftsverband Rheinland, den Museumsverband Hessen und im Saarland haben die jeweiligen Mitgliedsmuseen die Möglichkeit, unsere Software zu nutzen. Weitere Museen und Forschungseinrichtungen, auch in anderen Bundesländern, gehören eigenständig zur Genossenschaft. Für alle stellen sich ähnliche Fragen zum Einsatz von Software. Datensicherheit und die Souveränität darüber, wer auf Daten zugreifen und sie nutzen darf, sind dabei nicht nur administrative Themen, sondern längst Teil der Haltung der Einrichtungen. Die Spannung zwischen begrenzten finanziellen Mitteln und personellen Ressourcen einerseits und dem Wunsch, niedrigschwellig mit unterschiedlichen Interaktionsgruppen online in Kontakt zu sein, andererseits, ist für alle spürbar. Dazu kommt die Notwendigkeit, die eigenen Bestände nachhaltig zukunftssicher zu machen. Dies schließt die digitale Erfassung und Speicherung ein und ist Teil des Kulturgutschutzes.
Wie viel und was Kulturerbeeinrichtungen online anbieten wollen, wird weiterhin von individuellen Faktoren abhängen. Dass es sich lohnt und wirkmächtig ist, weil auch das Interesse an der Einrichtung vor Ort steigt, haben viele wunderbare Projekte, die z. B. mit dem DigAMus-Award ausgezeichnet wurden, eindrücklich gezeigt. Basis sind gut digitalisierte Sammlungen, anschlussfähige Daten in standardisierten Formaten und ein offenes Mindset. Bei all diesen Punkten sind Verbünde wie digiCULT, wie auch das Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS), die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) oder die Projekte rund um die Culture Cloud in Niedersachsen, relevante Akteure. Wir motivieren, leiten an und vernetzen, wir können als Aggregatoren fungieren und vor allem auch im Verbund entwickeln, was gemeinsam genutzt wird. Auch sind Verbünde starke Stimmen im politischen Diskurs, die kleineren Einrichtungen Gehör verschaffen. Dabei und dafür brauchen Verbünde verlässliche Rahmenbedingungen und den Willen, Infrastruktur zukunftssicher und zukunftsoffen aufzubauen und zu teilen.