Seit bald 30 Jahren fördert der Hauptstadtkulturfonds (HKF) kultur- und kunstbezogene Projekte, die zur nationalen und internationalen Strahlkraft Berlins beitragen. 1999 gegründet, gilt er gemeinhin als kulturpolitisches Projekt der ersten rot-grünen Bundesregierung. Die Anfänge reichen aber bis in das Jahr 1995 zurück: Auf Vermittlung des CDU-Kulturpolitikers und Kohl-Vertrauten Christoph Stölzl fand der Rat der Künste Berlin zu jener legendären Runde mit dem damaligen Bundeskanzler zusammen. Aus einer 30-minütigen Begegnung wurde eine dreistündige Sitzung, anschließend lud Helmut Kohl die Teilnehmer zum Abendessen ein. So war das mal!

Kulturschaffende, Kulturpolitiker und Bundeskanzler waren sich damals schnell einig, dass die Rolle Berlins eine spezielle Förderung erforderte, um die nationale und internationale Strahlkraft der Bundeshauptstadt und damit Deutschlands insgesamt zu stärken. Das wiedervereinigte Land und seine Regierung setzten dabei auf das enorme kulturelle und künstlerische Potenzial Berlins, um Neues entstehen zu lassen.

Seit 1999 ist der Hauptstadtkulturfonds eine feste Größe in der Kulturförderung. Seine Einrichtung war ein Ergebnis sowohl konservativ-christdemokratischer als auch rot-grüner Kulturpolitik des Bundes. Sein Fördervolumen wurde bei Neuverhandlungen des Hauptstadtfinanzierungsvertrags jeweils erhöht, zuletzt 2018 auf 15 Millionen Euro. Für die Zeit ab 2028 wird derzeit erneut verhandelt. Kostensteigerungen und Inflation einerseits sowie die Strahlkraft des HKF und die starke Zunahme exzellenter Anträge andererseits lassen trotz schwieriger allgemeiner Finanzlage auf eine dringend benötigte bessere Ausstattung hoffen.

Der Hauptstadtkulturfonds fördert Projekte aus der darstellenden Kunst, bildenden Kunst, Medienkunst, Literatur, Musik, Film, Zeitgeschichte sowie übergreifende transdisziplinäre Projekte, die ein äußerst strenges Jury-Verfahren durchlaufen müssen. Hinzu kommt die Sonderförderung sogenannter publikumsstarker Sonderausstellungen, mit denen sich Berlin mit Metropolen wie Paris oder London messen lassen kann.

Ausschlaggebendes Kriterium für eine HKF-Förderung ist ein hoher kuratorischer Anspruch: experimentell, künstlerisch innovativ, interdisziplinär und von internationaler Relevanz. Mit einem Wort: exzellent. Es geht nicht um Förderung in der Breite.

Der Hauptstadtkulturfonds ermöglicht Kunst, die sonst nicht entstehen würde. Viele ambitionierte Ausstellungen, Theaterproduktionen, Festivals, Musikprojekte, Filmreihen und interdisziplinäre Vorhaben wären ohne den HKF nicht vorstellbar. Der Hauptstadtkulturfonds hat Berlin an die Spitze der internationalen Kunstproduktion gebracht und die nationale und internationale Ausstrahlung der Hauptstadt als Labor neuer Kunstformen gestärkt. Projekte und Veranstaltungen ziehen über die Jahre ein Millionenpublikum aus aller Welt an. Die Kunst- und Kulturmetropole Berlin wäre ohne den Hauptstadtkulturfonds nicht das geworden, was sie heute ist!

Und Kunst und Kultur sind in Berlin ein nicht mehr wegzudenkender Wirtschaftsfaktor. Eine kürzlich veröffentlichte Studie ergab: Jeder Euro, der in Berlin in die öffentliche Kulturförderung investiert wird, erzeugt mehr als 3,50 Euro wirtschaftliche Rückflüsse!

Die Erfolgsbilanz des Kulturfonds lässt sich nicht nur an einzelnen Prestigeprojekten bemessen, ganz entscheidend ist seine langfristige Wirkung: Der HKF hat Tausende Künstlerinnen und Künstler dabei unterstützt, neue Werke erstmals zu präsentieren. Die ersten großen Berliner Ausstellungen von Ai Weiwei, Ólafur Eliasson, William Kentridge, Dani Karavan, Cindy Sherman u. v. a. konnten nur dank der Unterstützung des HKF realisiert werden.

Der HKF hat zugleich zahlreichen Festivals, Ausstellungen und Produktionen internationale Sichtbarkeit verschafft. Das Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) und das Poesiefestival bringen immer wieder Frauen und Männer der Weltliteratur in die Stadt. Der HKF hat experimentellen Formaten den Weg geebnet, die inzwischen etabliert sind, und er hat dabei Kooperationen zwischen freier Szene, etablierten Institutionen und internationalen Partnern ermöglicht, worauf die künstlerische Einzigartigkeit Berlins gründet. Das ist die Einmaligkeit dieses Programms!

Für viele heute internationale Stars stand eine HKF-Förderung am Beginn ihrer Karriere: für das Theaterkollektiv Rimini Protokoll ebenso wie für Sasha Waltz, die Choreografin Meg Stuart oder die österreichische Performancekünstlerin Florentina Holzinger, derzeit der Star der Biennale in Venedig 2026.

Der Hauptstadtkulturfonds ist ein Förderinstrument von nationaler Bedeutung, denn Berlin ist nicht nur die Bundeshauptstadt, sondern auch das kulturelle Schaufenster Deutschlands. Der HKF erfüllt damit einen gesamtstaatlichen Auftrag, allerdings in Berlin.

Und der HKF ist eine Erfolgsstory: Er sorgt dafür, dass die Hauptstadt ihre Rolle als kulturelles Labor, als Bühne für Innovationen und als kulturelles Aushängeschild Deutschlands erfüllen und dadurch das Ansehen unseres Landes in der Welt stärken kann. Die Verhandler des Hauptstadtfinanzierungsvertrages mögen sich dieser nationalen Bedeutung bewusst sein.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 9-10/2026