An dieser Stelle wird in der Regel ein einzelner »Kulturmensch« vorgestellt, der eine besondere kulturpolitische Leistung erbracht hat. Diesmal ist es anders; diesmal sind es viele.
27 Kulturorganisationen und -institutionen aus verschiedenen künstlerischen Sparten in Sachsen-Anhalt haben im Vorfeld der im September dieses Jahres stattfinden Landtagswahl in einer gemeinsamen Pressemitteilung vor nationalistisch ausgerichteter Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt gewarnt. Zu den Unterzeichnern zählen: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Stiftung Bauhaus Dessau, Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt, Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Franckesche Stiftungen, Kunststiftung Sachsen-Anhalt, Vereinigte Domstifter zu Merseburg und Naumburg und des Kollegialstifts Zeitz, Kloster Bergesche Stiftung, Stiftung Kloster Unser Lieben Frauen, CAT-stairs – Das Kabarett / Burger KleinKunstBühne, Ferropolis Stiftung Industriekultur, Kulturzentrum Moritzhof, Kammerspiele Magdeburg, Kunstmuseum Magdeburg – Kloster Unser Lieben Frauen, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Kunstverein »Talstraße«, Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren im Land Sachsen-Anhalt (LASSA), Literaturhaus Magdeburg, Museumsverband Sachsen-Anhalt, Puppentheater Magdeburg, Stiftung Evangelisches
Anhalt, Stiftung Händel-Haus, Technik Museum Magdeburg, Theater der Altmark, Theater Magdeburg, Werkleitz Gesellschaft.
Sie schreiben u. a.: »Die Kulturstiftungen und weitere Kulturinstitutionen des Landes sehen darin (im Regierungsprogramm der AfD, Anm. d. Redaktion), den Versuch, historisches Erinnern, Kunst und kulturelle Vielfalt an nationalistischen Leitbildern und Identitätsvorgaben auszurichten. Sie warnen vor einer Entwicklung, die die Freiheit der Kunst, die Offenheit kultureller Institutionen und die demokratisch verankerte Erinnerungskultur grundlegend in Frage stellt. … Die kulturpolitischen Aussagen des Programms reichen weit über den eigentlichen Kulturbereich hinaus und betreffen auch zentrale Felder wie Bildungs-, Wissenschafts-, Integrations- und Religionspolitik. In den einleitenden Passagen des Kulturteils wird die bestehende Erinnerungskultur als »Verewigung eines Schuldkomplexes« beschrieben, der die »Möglichkeiten einer stabilen nationalen Identitätsbildung verbaut« habe. Zur »Heilung« dieser »Identitätsstörung« wird eine stärkere Fokussierung auf die »guten Seiten der deutschen Geschichte« gefordert. Damit verschiebt sich der Fokus von einer differenzierten, auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhenden Erinnerungskultur hin zu einer selektiven Geschichtsdarstellung, in der die deutsche NS-Vergangenheit systematisch geschönt wird. … Die Unterzeichnenden halten dem entgegen: Kulturpolitik darf nicht zur nationalistischen Instrumentalisierung von Geschichte und Kultur missbraucht werden. Die Freiheit der Kunst, die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen und eine an demokratischen Werten orientierte Erinnerungskultur bleiben unverzichtbar. Ihre entschlossene Wahrung sichert nicht nur die vitale und vielfältige Kulturlandschaft in Sachsen-Anhalt, sondern stärkt zugleich gesellschaftlichen Zusammenhalt, Pluralität sowie die Grundlagen unseres demokratischen Gemeinwesens.«
Staats- und Kulturminister Rainer Robra begrüßt die Stellungnahme von 27 Kultureinrichtungen aus Sachsen-Anhalt: »Ich danke den unterzeichnenden Kulturinstitutionen ausdrücklich für ihre klare und gemeinsame Stellungnahme. Kulturpolitik hat die Aufgabe, Räume zu ermöglichen, nicht, sie einzuengen! Kulturpolitik darf niemals darauf ausgerichtet sein, Inhalte vorzuschreiben oder künstlerische Ausdrucksformen ideologisch zu begrenzen.«
Auch wir danken dem Bündnis der 27 Kulturorganisationen für die klaren Worten. Genau das brauchen wir in einer starken Demokratie: Zusammenhalt in Vielfalt.