Es ist stets bemerkenswert, wenn Objekte aus den Sammlungen und Archiven der SPK ihre Lebendigkeit anschaulich entfalten und, ganz im Sinne der Vision der SPK, »Menschen, Zeiten und Räume« miteinander verbinden. Zuletzt wurde dies in Marokko spürbar, wo wir mit der Fondation Nationale des Musées (FNM) eine strategische Partnerschaft initiiert haben. Den Auftakt bildeten Workshops mit dem Goethe-Institut Rabat im Rahmen von CoMuse, unserem Kollaborativen Museum, das völlig neue Wege in der transkulturellen Museumsarbeit geht. Dieses international einzigartige Projekt richtet seinen Fokus auf die Zusammenarbeit mit Partnern aus den Regionen, aus denen die Objekte stammen, die das Ethnologische Museum und Museum für Asiatische Kunst bewahren. In diesem Fall ging es um Wachszylinderaufnahmen aus dem Berliner Phonogrammarchiv, einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen historischer Tonaufnahmen traditioneller Musik und Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Darunter befinden sich auch Aufnahmen von marokkanischer Instrumentalmusik, eingespielt von Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkriegs. Um deutsch-marokkanische Beziehungen und transkulturelle Prozesse für verschiedene Publika zugänglich zu machen, arbeiten Teams aus Berlin und Rabat sowie anderen marokkanischen Städten zusammen – und lernen dabei viel voneinander. Themen gibt es genug.

Die Fondation Nationale des Musées ist eine noch junge Stiftung. Sie wurde 2011 gegründet und entwickelt sich rasant. Mehrere Museen befinden sich im Bau, die internationalen Kooperationen weiten sich aus. Und es gibt Parallelen zur SPK und ihren Museen: Auch zur Fondation Nationale des Musées gehören zahlreiche große Häuser mit unterschiedlichen Profilen, darunter das Musée Al Batha des Arts de l’Islam in Fès, das Dar Jamaï (Musée National de la Musique) in Meknès, das Musée Mohammed VI d’art moderne contemporaine in Rabat, das Nationale Museum für Weberei und Teppiche in Marrakech oder das Kasbah Museum der mediterranen Kulturen in Tanger. Derzeit sind 21 Museen für die Öffentlichkeit zugänglich. Zusammen betrachtet spiegeln sie die reiche Vergangenheit Marokkos mit ihren zahlreichen kulturellen und religiösen Verflechtungen und weisen in die Zukunft. Bei meinem Besuch im Januar hatte ich selbst Gelegenheit, einige von ihnen zu besuchen und war begeistert!

In der Königsstadt Fès befindet sich etwa das Musée Al Batha des Arts de l’Islam, das nach einer Restaurierung 2025 wiedereröffnet wurde. In einem prachtvollen ehemaligen Palast präsentiert es eine beeindruckende Sammlung marokkanischen Kunsthandwerks und islamischer Kunst. In Erinnerung wird mir vor allem bleiben, wie selbstverständlich das Museum dabei auch die jüdische Geschichte als integralen Bestandteil marokkanischer Identität und Handwerkskunst begreift und würdigt. Es sind diese vielfältigen historischen Verflechtungen, die überall herausstechen, besonders auch in der Welterbestätte Chellah in der Hauptstadt Rabat. Jahrtausendelang haben sich hier unterschiedlichste Kulturen und Religionen überlagert: Von der römischen Zeit etwa zeugen Überreste von Tempeln und Thermalbädern; unter der Meriniden-Dynastie wurde Chellah zur königlichen Nekropole und zu einem Ort für die Erhaltung kulturellen und religiösen Erbes.

Marokko blickt, auch aufgrund seiner geografischen Lage, auf eine lange Geschichte als Drehscheibe zwischen Afrika, Europa und der arabischen Welt zurück. An der engsten Stelle der Straße von Gibraltar trennen Marokko und Spanien nicht einmal 15 Kilometer! Der Anspruch Marokkos, diese Rolle als Brückenbauer in Gegenwart und Zukunft noch auszubauen, ist deutlich spürbar.

Sichtbar wird das auch in einem neuen, ambitionierten Großprojekt der Fondation Nationale des Musées. In unmittelbarer Nähe des Musée Mohammed VI d’art moderne et contemporain – eines herausragenden Museums der modernen und zeitgenössischen marokkanischen Kunst – entsteht das ganz neue Musée du Continent, Museum des Kontinents. Es ist ein beeindruckendes Projekt, das in der Neupositionierung Marokkos als Kunstzentrum auf dem afrikanischen Kontinent eine zentrale Rolle einnehmen könnte. Als Knotenpunkt für Forschung, Restaurierung und Konservierung soll es künftig weit über Rabat hinauswirken. In seinem Anspruch ähnelt es damit dem rund 3.400 Kilometer südöstlich gelegenen Museum of West African Art in Benin City, auf der anderen Seite der Sahara, mit dem die SPK ebenfalls freundschaftliche Beziehungen pflegt. Als Teil dieser Netzwerke nehmen wir nicht nur an globalen Diskursen teil, sondern vertiefen auch unsere Verbindungen zu Kolleginnen und Kollegen weltweit – Beziehungen, die selbst politisch angespannte Situationen überdauern können.

Wie schon gesagt, gibt es zahlreiche Themen für die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Museen: Dazu zählen gemeinsame Ausstellungsprojekte, etwa im Bereich der modernen Kunst, ebenso wie ein systematischer Fachaustausch unserer Expertinnen und Experten in verschiedenen Disziplinen. Als erstes Feld drängt sich ein Thema geradezu auf: die vielen museumsspezifischen Herausforderungen in baulichen Fragen an der Schnittstelle von Architektur, Materialwissenschaft und der nachhaltigen Erhaltung von Kunst und Kulturgut. Nicht zuletzt ist mit der aufwendigen Renovierung des Pergamonmuseums auf der Museumsinsel und dem Neubau von berlin modern am Kulturforum auch die SPK eine visionäre Bauherrin.

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 3/2026