Wir sind Homo sapiens. Und bis dahin war es ein langer Weg. Dieser beeindruckende Bildatlas erzählt die Geschichte unserer Menschheit. Telmo Pievani, italienischer Evolutionsbiologe, Kurator und Philosoph, sowie sein Koautor, der Paläoanthropologe Valéry Zeitoun, führen uns zurück zu den Ursprüngen vor Millionen von Jahren, basierend auf neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Wo liegen unsere Ursprünge und gilt der Satz: Out of Africa? Wie haben sich die Homininen ausgebreitet? Und wann und wo liegen die Ursprünge von Kunst und Kultur? Die Leserschaft erfährt auch, warum wir alle auch Neandertaler sind. Einen bedeutenden Aspekt des Atlas bildet die Migration der Homininenarten, der durch jeden neuen Fund oft zu heftigen Diskursen und ganz neuen Hypothesen führt. Vorgestellt werden die wichtigsten Fundstätten weltweit mit bedeutenden Funden. Der wohl bekannteste dürfte das in Äthiopien gefundene Teilskelett Lucy sein. Wie es zu seinem Namen kam, auch dies erfährt der Leser. Rekonstruktionen lassen aus oft nur wenigen Knochenfunden wieder Menschen lebendig werden und sie uns von Angesicht zu Angesicht betrachten. Die beeindruckenden Erkenntnisse sind nur aufgrund interdisziplinärer wissenschaftlicher Zusammenarbeit möglich. Dem Werk kommt besonders zugute, dass der Autor als Philosoph auch Grundfragen der Menschheit zu beantworten versucht: Warum wird Kunst erschaffen, etwa Schmuck und farbenprächtige Höhlenmalereien? Wann gibt es die ersten Hinweise auf Musik? Wann kann überhaupt von Kultur gesprochen werden? Und wann begannen Sprache und Kommunikation? Fazit: Ein faszinierendes Werk zu einem faszinierenden Thema; fesselnd und unterhaltsam geschrieben. Es lässt uns bewusst werden, dass Homo sapiens auf einer mehrere Millionen Jahre dauernde Entwicklung fußt. Ein Grundlagenwerk zur Besiedlungsgeschichte der Welt, das vollauf begeistert!
Telmo Pievani und Valéry Zeitoun. Homo sapiens. Der große Atlas der Menschheit. Übersetzt von Renate Heckendorf. München 2024