Die Berufsbezeichnung Fotograf/Fotografin hat so ihre Tücken. Nicht jeder, der mit selbst erstellten fotografischen Bildern den Lebensunterhalt verdient, fühlt sich mit dieser Bezeichnung wohl. Historisch ist der Begriff in Deutschland mit dem Handwerk verbunden, als staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, der im dualen System mit einer dreijährigen Lehre in einem Betrieb beginnt. Bis Ende 2003 das Gesetz zur Änderung der Handwerksordnung in Kraft trat, mussten Fotografengesellen nach der Lehre eine Meisterprüfung ablegen, um selbstständig gewerblich arbeiten zu dürfen. Und wer ohne diese Ausbildung seine Dienste als Fotograf anbot, bekam zuweilen Ärger mit den jeweiligen Innungen vor Ort.  

Heute ist der Begriff Fotograf nicht mehr geschützt, doch das Spannungsfeld der Fotografie zwischen Handwerk, Design, Journalismus und Kunst bleibt eine Herausforderung und ist vor allem für Berufsanfänger schwer zu durchschauen.  

In Abgrenzung zur handwerklichen, gewerblichen Fotografie hat sich seit Langem die freiberufliche Fotografie etabliert. Die Unterscheidung hat weitreichende steuerrechtliche und finanzielle Konsequenzen. Freiberufliche Fotografen müssen keine Gewerbesteuer zahlen und profitieren vom Anspruch auf eine soziale Absicherung über die Künstlersozialkasse. Allerdings müssen sie vor dem Finanzamt nachweisen, dass sie nicht wie ein handwerklicher Dienstleister gewerblich, sondern freiberuflich tätig sind. Das ist für journalistisch arbeitende Fotografen weniger ein Problem als für jene, die in Bereichen wie Werbe-, Mode-, Architektur- und Unternehmensfotografie ihr Geld verdienen. Denn ihre Fotografien müssen eine gewisse künstlerische Gestaltungshöhe erreichen, als Ergebnis einer persönlichen geistigen Schöpfung gelten. Darüber lässt sich trefflich streiten und daher beschäftigt diese Frage häufig die Gerichte. 

Der Weg in die freiberufliche Fotografie erfolgt über ein Studium oder als Quereinsteiger. Seit der Hochschulreform in den 1970er Jahren wurden viele Werkkunstschulen in Fachhochschulen integriert, die seither Fotografie als eigenen Studiengang oder als Studienschwerpunkt anbieten. Letzteres oft als Teil eines Studiums der Visuellen Kommunikation oder des Kommunikationsdesigns. Hinzu kommt das Angebot der Universitäten und Kunsthochschulen. Die Akademisierung hat zu einer Aufwertung der Fotografie geführt und zu einer Ausdifferenzierung. Bis heute gibt es einzelne Hochschulen, die als Studienabschluss das Diplom anbieten, aber die meisten sind der Bologna-Reform gefolgt mit Bachelor- und Masterstudiengängen. 

Im Idealfall bietet das Studium den Freiraum, sich zu entfalten und in der Fotografie die eigene Richtung zu finden. Der »Traumberuf Fotograf« lässt sich aber auch mit einem abgeschlossenen Studium nicht leicht realisieren. Im Markt drängen sich seit Langem zu viele Fotografinnen und Fotografen um die Aufträge und sind zudem mit sinkenden Honoraren konfrontiert.  

Viel Eigeninitiative ist gefragt. Freie Fotoprojekte werden querfinanziert, z. B. mit Stipendien, um sich damit im Markt einen Namen zu machen. Die Digitalisierung und Social-Media-Plattformen bieten Fotografen heute viele Möglichkeiten der Vermarktung. Berufsverbände und Fotografenagenturen leisten oft wertvolle Unterstützung.  

Die große Konkurrenz in der Auftragsfotografie auf der einen und der Fotoboom im Kunstmarkt um die Jahrtausendwende auf der anderen Seite haben dazu geführt, dass heute bereits Berufsanfänger von einer künstlerischen Karriere träumen, die aber noch weniger Sicherheit bietet als die sogenannte angewandte Fotografie. Manchen gelingt ein Spagat zwischen Auftrags- und freier, künstlerischer Fotografie. Die Grenzen sind fließend. 

Immer weniger Handwerksbetriebe bilden heutzutage aus und die Fotografenlehre gilt vielfach als wenig zeitgemäß. Dem versuchen Berufsverbände mit einer Reform der Ausbildungsordnung gegenzusteuern. Andere, wie FREELENS, plädieren dafür, dass sich Fotografen mit gewerblichen Aufträgen wie Portrait- und Hochzeitsfotografie überhaupt nicht mehr in die Handwerksrolle eintragen lassen müssen.  

Schließlich gibt es für freiberufliche Fotografen neben dem Studium eine Fülle von Möglichkeiten für eine individuelle »Ausbildung« wie Praktika, Assistenzen und Weiterbildungsangebote.  

Bewusst wurde der Begriff Profifotografie vermieden, denn »professionell« kann auch eine Fotografie gemacht sein, die nur dem privaten Vergnügen dient. Die Wege in die Berufsfotografie, und das meint hier Fotojournalisten ebenso wie Werbefotografen, Handwerksfotografen und Künstler, sind so divers wie das Medium.  

Einen Überblick zum Fotografie-Studium in Deutschland bietet die Deutsche Gesellschaft für Fotografie auf ihrer Website: dgph.de/foto-studium 

Dieser Text ist zuerst erschienen in Politik & Kultur 03/22.